Automatisch – Revue 700 EL

Eigentlich waren die 3 Kameras vom Typ Revue 700 EL zur Verschrottung vorgesehen, waren sie doch alle 3 defekt und in einem sehr schlechten Zustand. Die eine 700 EL in schwarz hat dann aber meinen Schrauberehrgeiz geweckt.

Diagnose: Alles verharzt. Verschluß/Blende, Zeitenring, Schneckengang. Batterie ausgelaufen, Batteriefach gebrochen. Verkabelung stark korrodiert. Lichdichtungen klebrig, Belederung stark geschrumpft und gerissen. Viele Kratzer und Dellen. Und unglaublich verdreckt.

Die Revue 700 EL vor dem Eingriff.

Also: Belederung runter, Demontage Oberteil, Unterteil, Objektivträger. Komplette Reinigung bis in die kleinste Ecke. Lamellen putzen. Mit Öl und Fett alles wieder geschmeidig machen. Neue Kabel einlöten. Neues Batteriefach einbauen. Test mit neuer Batterie… Sie lebt! Aber die Zeit/Blendenwerte sind 2 Blenden daneben. Umjustieren auf 1,5V. Belichtung passt. Messucher reinigen. Kollimatortest: Unendlich passt. Zusammenbau. Frische Lichtdichtungen. Neue Belederung aus Carbonfolie. Kaltbrünieren der Kratzer, hier und da ein Tupfer Kameralack.

Und dann ein Testfilm. 10 Bilder in die Partone gespult, durch 13 Umdrehungen an der Bobineuse. ASA 250 mit einem Ilford FP4+

Klasse Handling. Wow, ist die Kamera leicht und schlank. Schnell den Film entwickeln und… Wow Nummer 2. Alle Bilder perfekt belichtet und sehr scharf und kontrastreich.

Aus der Revue 700 EL. Ca. 1/30 bei f2.7. Scan vom Negativ mit dem Epson V750pro. Ein wenig Nachbearbeitung in Capture One Pro.

Fazit: Tolle, leichte, vollautomatische Meßsucherkamera mit scharfer Linse. Die wird doch nicht entsorgt…

… das Revue 700 EL Logo sitzt übrigens an der falschen Stelle, weil es eine Beschädigung kaschiert, die sich nicht mehr vollständig entfernen ließ.

Teures eBay Schnäppchen – Revue 400 SE in Top Zustand

In der eBay Anzeige überschlugen sich die Superlativen in nur zwei Sätzen: „Revue 400 SE im Bestzustand. Löst aus, voll funktionsfähig.“

Leider ist das hier die nüchterne Bestandsaufnahme:

Die Nadel des Belichtungsmessers ist abgebrochen. Das ist nicht ungewöhnlich, da die Nadel auf den Träger gelötet ist und diese Lötstelle gerne mal bricht.
Der Kontakteinsatz im Batteriefach fehlt vollständig. Kein Wunder, wenn man sich das Kabel genauer ansieht: Es ist säurezerfressen, weil offenbar die Batterie ausgelaufen war. Da hat der Verkäufer vorsorglich den Einsatz einfach entfernt…
Recht selten bei der Revue 400 SE: Ein nicht justierbarer Belichtungsmesser mit nur einem Vorwiderstand. Überall Korrosion.
Diese Zahnräder sollten alle Messingfarben sein. Die Verschmutzung ist extrem.

In einem derartigen Zustand, kann man die Kamera eigentlich nur noch als Ersatzteilspender betrachten. Hier sieht man es wieder deutlich: Nur weil die Kamera auslöst und den Film transportiert, heißt das nicht, dass sie funktionsfähig ist.

Das Positive an der Sache ist: Nach der ersten Prüfung mit einem Ersatzbatteriefach und improvisierter neuer Verdrahtung mit einer spannungsreduzierenden Diode, funktioniert der Belichtungsmesser korrekt – auch ohne Nadel – und der Copal Verschluss sowie die Blende arbeiten richtig. Die Linsen sind sauber und klar. Die Basis ist recht gut.

Nach der Reparatur und Reinigung, wird die Kamera wieder wie neu funktionieren, aber hier sind um die zwei Stunden Arbeit fällig.

Update:

um ganz „kultig“ den fehlenden Zeiger zu ersetzen, ist ein neuer Zeiger aus einem Stück belichteten Film angefertigt worden.
Kurz vor dem endgültigen Zusammenbau: Das Batteriefach ist ersetzt und in den Stromkreis ist eine Diode zur Spannungsreduktion eingelötet. Das Bauteil ist rechts hinter dem Fokushebel eingebaut. Die Mechanik ist komplett gereinigt und neu geschmiert. Der Rost ist entfernt. Die Nadel ist an ihrem Platz, der Kleber ist ausgehärtet und die Revue zeigt wieder im Sucher die gewählte Blende an.

Nach der abschließenden Reinigung des Meßsuchers, wird diese Revue 400 SE wieder für sehr viele Fotos fit sein.

Update 2 – Finale:

Ende gut…

… fast alles gut. Die Reparatur ist abgeschlossen und die Revue 400 SE funktioniert wieder vollständig. Mit dem kultigen „Film“ Zeiger ist sie natürlich nicht mehr „original“ und bei diesem Exemplar ist ein Meßsucher verbaut, der sich in der Vertikalen nicht justieren lässt. Vielmehr müsste hier der Meßsucher komplett entfernt und der Haltewinkel für die Projektionslinse nachgebogen werden, weil die schöne Kamera leider einen leichten vertikalen Versatz des Meßflecks zeigt. Da man mit diesem Mangel aber problemlos scharfe Bilder anfertigen kann, wird diese Revue 400 SE diesen kleinen Makel auch behalten. Das Linsensystem ist in einem perfekten Zustand.