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TONEX ONE Bass

Je kleiner so ein Modeler wird, desto mehr ist er meistens nur ein Spielzeug. Beim TONEX ONE ist das aber komplett anders, denn trotz seiner winzigen Abmessungen ist das TONEX ONE gigantisch im Sound und auch die Bedienbarkeit ohne Display ist verblüffend gut. Die technischen Daten sprechen hier für sich. Ein Frequenzgang von 5 Hz bis 24 kHz, ein Dynamikumfang von 123 dB und ein internes Sampling mit 192 kHz/24bit stellt den Zwerg auf eine Stufe mit den großen Playern der Modelerwelt. Dagegen sind die ganzen Chinakracher einfach nur ein Witz. Wenn man sich jetzt noch klar macht, dass das TONEX ONE für ca. 150 Euro zu haben und Made In Italy ist, dann…

Einsatzzweck

Das Pedal ist wirklich extrem klein und leicht und das hat nicht nur Vorteile. Als einzelnes Pedal fliegt es mit seinem geringen Gewicht am Kabel unkontrolliert herum. Man muss also dafür sorgen, dass es irgendwo festgemacht wird – jedenfalls wenn man es irgendwie Live verwenden will. Wer live die geilen TONEX Sounds dabei haben will, sollte eher das große TONEX Pedal anschaffen. Der kleine TONEX ONE ist für maximale Transportfähigkeit gemacht. Ich würde es aber auch nur im Notfall auf der großen Bühne benutzen. Vielmehr schätze ich an dem kleinen Ding, dass es in den Koffer meines Hollowbody hineinpasst. Das Innenfach ist sehr klein, aber TONEX ONE, Powerbank, Kabel und Gurt passen hinein. Nur ein Gepäckstück und trotzdem ist der große Sound dabei.

Kreativität

Ich habe sehr oft einen Bass bei mir, wenn ich unterwegs bin. Als Songschreiber ist es immer gut ein Instrument dabeizuhaben, sonst geht einem vielleicht ein tolle Idee verloren. Dank iPhone mit USB-C Anschluss und Apps wie CUBASIS 3, kann man unterwegs absolut hochwertige Aufnahmen für hochwertige Demos oder Produktionen machen, weswegen war für mich schon länger klar: Es muss etwas her, was extrem klein ist, auf USB Power läuft und gleichzeitig ein Interface ist. Die Soundqualität meines HEADRUSH CORE soll es aber trotzdem haben. Das TONEX ONE ist genau das. Klein, USB-C Interface und exzellenter Sound. Besser geht es eigentlich kaum, um seiner Kreativität immer und überall freien Lauf zu lassen.

Aber…

Bei der Software muss nachgebessert werden. An meinem aktuellen iPhone 16 mit neuestem iOS lässt sich die Ausgangslautstärke nicht regeln. Die Lautstärke ist fest auf höchster Stufe. Für’s Recording gibt es 2 Workarounds: 1) Das DIRECT MONITORING abschalten. Dafür braucht man aber den TONEX Editor auf den Mac/PC, denn direkt am Gerät geht das nicht! Oder 2) Man regelt den Master Out in CUBASIS herunter. Workaround 1 ist extrem doof, weil dann aus dem Ausgang des Pedal gar kein Signal mehr kommt. Das geht also nur für USB Recording. Naja und 2 hilft zwar für’s Recording, aber Musik aus anderen Quellen kommt damit nach wie vor mit MAX VOL aus dem TONEX ONE heraus. Auf ein Update sollte man wohl nicht hoffen. Auf eine entsprechende Anfrage im TONEX Forum, kam nur ein schmallippiger Verweis auf die leider eindeutig falsche FAQ. In der Zwischenzeit behelfe ich mir für das Mobile mit dem KOSS VS20 Lautstärkeregler. Oder: Einfach den TASCAM X8 einpacken 😉

TONEX ONE

Ökosystem

TONEX ist seine eigene Welt, so wie z.Bsp HEADRUSH auch. Das TONEX ONE ist nur ein „Player“. Wer eigene Captures/Clone seiner Amps erstellen will, braucht bei TONEX separate Hardware in Form eines Interface, was Reamping erlaubt (z.Bsp. ZOOM ams-44) und dazu noch Softwarelizenzen. Ich persönlich finde dieses umfangreiche und anfangs undurchsichtige Ökosystem nicht gut gelungen. Hier zeigt HEADRUSH wie es eigentlich gehen sollte: Software und Hardware sind perfekt abgestimmt und einfach zu bedienen. Die Lernkurve bei TONEX fällt steiler aus. Die Community ist allerdings sehr groß und auf TONEX.net sind so dermaßen viele Modelle kostenlos abrufbar, dass es eigentlich keinen Sinn macht, noch in eigene Captures zu investieren.

Eigene Captures mit dem Modeler

Mit TONEX Software und einem passenden Interface, lassen sich recht einfach die eigenen Amps in Modelle umwandeln.

Nach dem Verkabeln, ist es ganz angenehm, dass man keine absonderlichen Töne hört, sondern dass da eine Bassline gespielt wird (wenn man vorher anklickt, dass man für einen Bass captured).

Nach dem Aufzeichnen der Audiospur, kommt die Berechnung, die deutlich viel länger dauert, als man es von anderen Plattformen kennt. Mit guten 10 Minuten, dauert das sogar noch etwas länger als ein NAM Profil. Von den 2 Minuten, die ein HEADRUSH für die vollständige und vollautomatische Umwandlung braucht ist das TONEX ganz weit entfernt.

Aber es kommt ja nicht auf die Zeit an, sondern auf die Qualität und da muss ich zugeben: Das klingt genauso gut, wenn nicht noch einen Hauch besser, als ein HEADRUSH Clone. Allerdings sind die Regelmöglichkeiten weniger, als beim HEADRUSH und im TONEX System gibt es keine ausgefeilten EQs und Effekte. Man kann das also nicht 1:1 vergleichen. Die Qualität der TONEX Captures ist aber ohne jeden Zweifel exzellent.

Qualität

Für mich ist das das aller wichtigste und da liefert das TONEX ONE perfekt ab. Was ich beim HEADRUSH extrem schätze, gilt auch hier. Die Amps wirken absolut echt, als würde das Original neben einem stehen. Was an Effekten angeboten wird, ist wirklich exzellent – auch wenn die Auswahl eher klein ist. Gemessen an der Größe des TONEX ONE ist der Sound wirklich riesig.

Interface

Auch wenn das Interface „nur“ 2 Kanale 44,1 kHz / 24 bit zur Verfügung stellt, sind Recordings damit erstklassig. Wenn die Vorverarbeitung stimmt, dann reichen 44,1 kHz auch vollkommen aus. Die Power des iPhone 16 ist genug, um das TONEX ONE mit Strom zu versorgen. Schlanker geht ein Recording-Setup kaum noch. Selbst Multitrackrecorder verlieren dagegen etwas an Bedeutung.

Bass

Eigentlich gibt es hier nichts Spezielles zu berichten. Bass Modelle gibt es bei TONEX.net im Überfluss und alle Effekte die angeboten werden funktionieren gut mit Bass. Das Pedal ist extrem universell für Gitarre und Bass zu verwenden. Viele der Gitarrenamps und Presets klingen mit Bass fantastisch. Es lohnt sich also extrem, wenn man mal über den Tellerrand schaut und probiert. Um jedoch erst einmal grundlegend zu einem BASS-Pedal zu kommen, kann ich nur empfehlen sich an TONEX.net zu bedienen. Dazu im Librarian auf TONEX.net schalten, nach Likes sortieren und über die Lupe nach „bass“ suchen. Was da dann kommt, ist einfach so brutal gut, dass ich mir aus den ersten 100 Treffern 15 Modelle herausgezogen und auf Speicher 1 bis 15 gelegt habe. Die letzten 5 Speicher habe ich mit Gitarrenmodellen belegt, weil ich ja doch ab und zu zur Gitarre greife.

Meine Presets komplett aus TONEX.net geladen.

Bedienung

Ich habe nun schon so einige Multieffekte besessen und benutzt und unangefochten auf Platz 1 der Bedienbarkeit, steht der HEADRUSH CORE. Das TONEX ONE ist natürlich sehr limitiert, aber sofern die eigenen Presets erst einmal im Gerät sind, funktioniert das Handling recht gut. Ohne die TONEX Mac Anwendung ist man aber aufgeschmissen, weil nicht alle Settings direkt am TONEX ONE funktionieren.

Ibanez AFB-200 in das TONEX ONE und direkt in den Tascam X8. Ohne EQ im Tascam.
Beide Samples ohne Noise Gate. Song: Be Fifteen (C)2025 Matz

Fazit

Das TONEX ONE ist als Amp Modeler in der Größe im Sound kaum zu schlagen. Das klingt richtig gut. Es hat natürlich auch so seine Grenzen und das TONEX System ist nicht wirklich auf einer Stufe mit den ganz Großen der Szene. Aber: Dicht dran und so gut, dass man ruhigen Gewissens damit überall aufkreuzen kann. Nun muss man der fairnesshalber festhalten, dass konzeptbedingt kein Signalsplitting und Stereo Doubling möglich ist und das kleine Ding wohl keine Quadcore CPU aufweist. Stereo-Ambiente-Raumklänge, wie der HEADRUSH CORE sie aus 4 Stereo Boxen zaubert, gehen mit dem TONEX System gar nicht erst. Daher: Wenn man mal nur den Mono Signalweg betrachtet, dann ist das TONEX ONE wirklich verblüffend gut. Man könnte jetzt den Vergleich zum SONICAKE POCKET MASTER anstellen. Ein Zwerg mit Display und besserer Bedienung, der auch unter iOS korrekt funktioniert. Was den Sound angeht, ist der POCKET MASTER im Vergleich zum TONEX ONE eine Blechbüchse.
Trotz gewisser Unzulänglichkeiten ist das TONEX ONE wegen seines exzellenten Sounds eine absolute Empfehlung.

Pro

  • Sound
  • Qualität der Captures
  • Größe als Travel-Padal

Neutral

  • Software
  • Bedienbarkeit

Cons

  • kein echter iOS Support
  • Direct Monitoring kann nicht ohne Mac/PC geändert werden
  • keine iOS App

4 Kommentare

  1. Till 20. März 2025

    Hi!
    Die Ballade ist der Wahsinn, das mußte ich mal loswerden.

    Till

  2. Linus 23. März 2025

    Hallo.
    wenn ich das richtig verstehe, dann ist Tonex.net kostenlos weil Community? Macht dann das Upgrade auf Max einen Sinn?
    Linus

    • Matz 23. März 2025 — Autor der Seiten

      Hallo Linus,
      das hast Du richtig verstanden. Ob das Upgrade für Dich einen Sinn macht, kann ich nicht sagen. In der SE Version, die Du mit dem TONEX bekommst, ist nur ein einziger Bass Amp enthalten. Dafür ist aber TONEX.net voll mit Bass Amps. Da die dauernd irgendwelche Rabattaktionen machen, hatte ich für einen Spottpreis das Upgrade auf Max gemacht. Da ist sehr gutes Zeug dabei und für den rabattierten Preis finde ich das ok. Den vollen Preis würde ich dafür nicht ausgeben wollen. Wie gesagt: Ich mag da keine Empfehlung abgeben.
      Gruss, Matz

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