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ID Software Update Fail

Die Software des ID ist ein Thema über das in Sozialen Medien viel diskutiert wird und ich daher einmal aus meiner Sicht kommentieren möchte. Dieser Bericht ist im Laufe der Zeit immer wieder erweitert worden. Er spiegelt also positive, als auch negative Erfahrungen wider.

Ich denke, dass VW weit hinter seinen Möglichkeiten mit der ID Software zurückbleibt und besonders mit der Softwareversion 2.1 hatte ich diverse Probleme. Seit dem Update auf die Version 2.3 im Sommer 2021, habe ich persönlich aber keine groben inhaltliche Probleme mehr ausmachen können. Aktuell gibt es für mich nur 2 Kleinigkeiten, die mir manchmal negativ auffallen. Zum Einen ist das die Steuerung der Lenkradheizung, die 1 Stufe überspingt, wenn sie zuvor über die App gestartet wurde und zum anderen die Sitzheizung, die sich nicht immer nachvollziehbar nicht aktiviert, wenn ich per App vorheize. Ansonsten gibt es ganz ganz selten mal die Meldung, dass Ladekabel sei noch angeschlossen, wenn ich PV Überschussladen am Ladeziegel durch Ziehen des Steckers beende. Ich hatte es in einem Jahr ID.4 auch schon 2x, dass Apple CarPlay nicht mehr funktionieren wollte. Es half dann nur ein erzwungener Neustart des Infotainments.

Die großen Probleme

Im Laufe der Zeit wurden die Ausfälle des Zentralsbildschirms immer häufiger. Irgendwann gesellte sich auch das Lenkraddisplay dazu. Fällt das Zentraldisplay aus, kann man auch die Klimatisierung nicht mehr bedienen. Das ist insbesondere bei beschlagener Scheibe mehr als ärgerlich. Eine Reparatur einer Steckverbindung versprach Besserung, doch nach 3 Wochen Problemfreiheit, fingen die Hänger und Ausfälle wieder an. Und dann ist da der Online Status. 1x pro Quartal bin ich gezwungen, die Sicherung 15 im Sicherungskasten zu ziehen, damit das Telematik Modul neu starten kann. Ansonsten ist das Auto offline und nicht per App zu erreichen. Man empfängt dann auch eine Verkehrsmeldungen mehr in das Navi. Das nervt ganz ehrlich gesagt extrem und mittlerweile bin ich sogar Besitzer eines Werkzeuges zum Sicherungen-ziehen. Das hatte ich noch bei keinem Auto in meinen 37 Jahren des Führerscheines.

Navigation und Planung

Die Navi-Software in meinem ID.4 tut, was sie soll und das zuverlässig. Ich komme mit der Navigation und der Ladeplanung sehr gut zurecht und verwende keine weiteren Tools mehr. Die hohe Reichweite des ID.4 sorgt ohehin für eine entspannte Ladestrategie. Als kleinen Workaraound für den fehlenden Echtzeitstatus der Ladesäulen im Navi, hat VW letztes Jahr per OTA Update die WeCharge App gebracht. Damit kann man prima unterwegs sehen, was an den Ladesäulen los ist und das gewünschte Ziel ans Navi übergeben. Das ist zwar noch keine integrierte Lösung, funktioniert aber.

Performance

Ich kann mich außerdem absolut nicht über die Performance und die Sprachbedienung beschweren – wenn das System läuft. Beides funktioniert in meinem ID.4 einfach einwandfrei. Vielleicht bin ich da eine Ausnahme oder diejenigen, die in Foren und bei Facebook permanent darüber meckern sind die typisch laute Minderheit, aber jedenfalls kann ich in dem Chor nicht mitsingen. Die Spracheingabe scheint empfindlich auf Lautstärke und das Klangbild der eigenen Stimme zu reagieren. Man sollte daher nicht überbetont und laut im Auto herumbrüllen. Weiterhin scheint meine Sprechstimme für die Spracheingabe der Idealzustand zu sein, während es auch schon Personen gab, die mein ID.4 nicht wirklich verstehen wollte. Sicher ein Punkt den man verbessern kann. Mich stört’s aber absolut nicht.

Alltag

Wenn ich im Alltag unterwegs bin, brauche ich von der ganzen Software im Auto eigentlich gar nichts bewusst. Ich wähle fast nie etwas aus oder ändere etwas außer vielleicht an der Lüftung. Auf langen Strecken nutze ich das Navi, um mich zum Ziel leiten zu lassen. Ich persönlich finde es super, dass man unterwegs per Sprachkommando sagen kann: “Hallo ID, suche Ionity entlang der Route.” Der ID sucht dann Ionity Charger entlang der Route und man kann die einfach als Zwischenziel einfügen. Die Software weiß sogar, dass das Zischenziel ein Ladepunkt ist und passt automatisch die Ladeplanung an. Wir reden hier von der Software 2.3 – also dem aktuellen Stand.

Erfahrung

Mir scheint es, dass sich viele noch noch nicht wirklich mit der Software beschäftigt haben. Besonders bei Youtube tauchen Influencer auf, die meinen, weil sie 2x ein Probefahrtvideo mit dem ID gedreht haben, hätten sie echte Erfahrung mit dem ID. Lächerlich, wenn solche Leute die Ladeplanung der neuen Software 3.0 abfeiern und dabei Features zeigen, die in 2.3 bereits vorhanden sind. Echte Erfahrung kommt nur von Leuten, die ihren eigenen ID tatsächlich jeden Tag selber fahren. Den Rest kann man getrost vergessen.

Glashaus

VW hat sich mit Updates in der letzten Zeit nicht leicht getan und ich persönlich gehöre als Softwareentwickler mit 25 Jahren Berufserfahrung zu denen, die jetzt garantiert keinen Stein werfen – und schon gar nicht den ersten. Die Generation Y erwartet Updates in der Häufigkeit wie beim Smartphone. Für mich persönlich sind häufige Updates kein Qualitätsmerkmal. Im Gegenteil: Je mehr Bugfixing in den Updates enthalten ist, desto schlechter die Software. Ich will eigentlich gar keine Updates. Ich möchte eine funktionsfähige Software; nicht mehr und nicht weniger. Anstelle eines Updates nehme ich gerne zu Zeitpunkten, wo es Sinn macht ein Release mit neuen Features, für die ich auch gerne Geld bezahle. 12x Bugfixing im Jahr, wo auch noch Features eingestreut werden sind für mich als Entwickler eher ein Armutszeugnis. In der agilen Welt gilt das Paradigma der kleinen Iterationen als hipp und wenn die Iteration alles besser macht, dann bin ich auch voll für diese Art der Softwareentwicklung. Wenn man aber genau die Releasenotes liest (und wer macht das denn schon?), merkt man schnell, womit der eine oder andere Hersteller kämpft. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, das VW das Thema OTA Update und Softwareentwicklung einfach nicht beherrscht. Warum, erwähne ich später noch unter “Fail”.

Fahrzeug ist zum Fahren da

VW bekleckert sich wirklich nicht mit Ruhm und ist aus meiner Sicht noch lange kein Techkonzern, wie sie es gerne wären. Aber: Sie haben mir ein funktionierendes und gut verarbeitetes E-Auto geliefert, was absolut perfekt genau das tut, wofür ich es gekauft habe: Fahrten von einem Ort zu einem anderen. Es transportiert Menschen und Sachen und ist ein echter Verbrennerersatz. Vielleicht sollte man sich ab und an ins Gedächtnis rufen, was so ein Auto für einen Zweck hat. Wer für seine Fahrten, sein Ego oder seinen Fetisch die volle Nerd-Software-Dröhnung braucht, der sollte ganz klar keinen ID kaufen, oder besser ein Gaming Notebook anschaffen und mit dem Zug fahren. Ok, vielleicht etwas übertrieben und man braucht es nicht schönreden: VW kann keine Software. Am Ende fährt‘s aber trotzdem.

Weiterentwicklung

Inzwischen habe ich die Version 2.4 in der Werkstatt bekommen. Hurra, das Update hat geklappt… auch wenn es fast 3 Tage gedauert hat. Bisher läuft alles stabil und ich freue mich, dass der ID nun noch etwas weniger Energie verbraucht und damit auf fast unglaubliche Praxis-Reichweiten kommt. Und damit ist noch nicht Schluss, denn das Update 3.0 steht vor der Tür. Bisher war jede neue Iteration der Software eine Verbesserung und ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass mit Version 3.0 der ID endlich da ankommt, wo er von Anfang an hätte sein sollen (also softwaretechnisch).
Nachtrag: Seit dem Update 2.4 sind nun 4 Wochen vergangen und die Software läuft immer noch stabil und insbesondere bei niedrigen Temperaturen verbraucht der ID deutlich weniger Energie. Das macht wirklich Spass – ich freue mich auf den Winter 😉

2.4 im Winter und der Kälte Fail

Nach einer kleinen Phase der Glückseeligkeit, schlug dann die VW Software wieder zurück. Wieder Hänger und schwarze Bildschirme.Die Version 2.4 im Winter ist zwar extrem effizient, aber bei Kälte ist Schnellladen zur absoluten Farce geworden. Durch die eingeschränkte Akkuheizung sinkt die maximale Ladeleistung bei Frost auf um die 50 kW. Bis zu 2 Stunden können Ladepausen dann dauern. Das ist wirklich nicht mehr lustig, liebe VW Entwickler! Es kann doch nicht so schwer ein, einen Button einzubauen, mit dem man die Akkuheizung manuell starten kann. Andere können das wie selbstverständlich!

OTA 3.0 oder auch Ultra Fail

Und dann kam das OTA Update 3.0 – Abgesehen davon, dass VW es über Monate verzögert hat, schlug es bei mir 3x fehl. Den Speicher voller Fehler, war der ID zunächst noch fahrfähig, doch einige Tage nach dem fehlgeschlagenen Update, blieb der ID liegen. Nach 5 Stunden in der Kälte war ein Abschlepper da, der den ID zum Händler brachte. Stolze 12 Tage nach dem Abschleppen konnte VW dem Händler endlich sagen, was zu reparieren sei. Soll ich aus Sicht eines Kunden jetzt noch darlegen, was ich von 12 Tagen Antwortzeit halte? Das Ersatzteil war zwar noch zeitnah lieferbar, aber ein nötiges Spezialwerkzeug nicht. Seit über 3 Wochen steht der ID nun schon in der Werkstatt… wegen eines fehlgeschlagenen Softwareupdates! Als Erklärung wurde mir mitgeteilt, dass das Update den Wegfahrsperrencode gelöscht hat. Dabei sei der Lierferant mitschuld, aber nochmal zum langsamen Mitschreiben: Ein Softwareupdate löscht aus einem zentralen und lebenswichtigen Steuergerät den Wegfahrsperrencode. Und dann fährt das Auto noch mehrere Tage ohne Wegfahrsperrencode (in meinem Fall vom 28.12.2022 bis 06.01.2023, um dann in einer kurzen Fahrpause unterwegs, den Dienst zu quittieren. Das ist großes Kino.

Und weiter mit dem Fail

Das betroffene Steuergerät ist am Motor verbaut, weswegen nun die komplette Antriebseinheit ausgebaut werden muss. Wann der ID wieder bei uns ist, steht in den Sternen. Das geht gar nicht! Ein VW ID OTA Update ist ein unkalkulierbares Risiko, was das Auto komplett lahmlegen kann. Ich hatte einen durchaus netten Kontakt direkt zu VW, der mir offen mitgeteilt hat, was das Problem ist, aber das macht es nicht besser. Bei einem Hardwaredefekt wäre ich beruhigt gewesen und könnte mein Vertrauen in eine Reparatur setzen. So weiß ich jetzt aber nur, dass ich mit einer Software herumfahre, der ich nicht vertrauen kann. Das geht mir persönlich deutlich zu weit. Die Aussage von VW, dass man mit dem Hersteller des Steuergerätes eine Lösung erarbeiten will verrät mir außerdem: Jedes MEB Fahrzeug ist potentiell von dem Problem betroffen. Daher eine Warnung an jeden, der sich auf ein OTA Update freut: Überlegt Euch extrem gut, ob Ihr das Risiko eingehen wollt.

Fazit

VW kann keine Software, bzw. sie beherrschen den Updateprozess überhaupt nicht. Mein Vertrauen in die MEB Software ist so nachhaltig beschädigt, dass ich auf keinen Fall mehr ein Update einspielen werde, solange wir das Auto noch fahren. Mehr noch: Normalerweise fahren wir unsere Autos ca. 10 Jahre. Den ID, hardwaremässig ein tolles Auto, werden wir bei passender Gelegenheit (und Lieferbarkeit eines Nachfolgers) zügig wieder abstossen. Die MEB Plattform ist einfach zu weit von einem brauchbaren und verlässlichen Zustand entfernt. Und lieber Volkswagen, wenn Du das hier lesen solltest: Schau Dir einen e-Golf an und stelle einen ID daneben. Ich hoffe Du erkennst selbst, was beim ID in die vollkommen falsche Richtung gelaufen ist. Und außerdem solltet Ihr Euch endlich eingestehen, dass Ihr OTA Updates nicht könnt. Ruft die IDs in die Werkstatt zum Update und setzt Eure Kunden nicht diesem Risiko aus. Skoda und Audi machen das auch so!

Zur letzen Aktualisierung dieses Beitrages am 29.01.2023, steht der ID seit 23 Tagen in der Werkstatt und mein gutmütiger Geduldsfaden ist komplett gerissen. Eine elektrische Ersatzmobilität steht nicht zur Verfügung. Ich könnte jederzeit Verbrenner fahren, aber das ist das letzte, was ich in meinem Autofahrerleben noch freiwillig tun werde.

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