Changsha Hotone Audio Co. Ltd heißt das Chinesische Unternehmen, was unter den Marken Sonicake, Hotone und Valeton diverses Musikequipment verkauft. Dabei erkennt man auch die starken Ähnlichkeiten zwischen den Produkten. Das Valeton GP-50 hat sehr viel Überschneidungen mit dem Sonicake Pocketmaster. Dennoch gibt es gravierende Unterschiede: Während der Pocketmaster nur als Spielzeug taugt und vor allem unter einem zu hohen Rausch-Problem leidet, erzeugt das GP-50 einen brauchbaren Sound. Also: Hier kommt mein erster Erfahrungsbericht zum Valeton GP-50.
Gehäuse und Verarbeitung
Das Gerät ist sehr ordentlich hergestellt und besteht in der unteren Schale aus Metall. Der Gehäusedeckel ist jedoch Kunststoff. Allerdings wirkt das recht wertig. Ob das allerdings wirklich robust ist, würde ich mal leicht bezweifeln. Für die meisten von uns wird’s ganz sicher reichen. Für ein Pedal der Größe ist das Valteon GP-50 mittelgewichtig, also weder zu leicht noch zu schwer und steht sicher auf dem Boden oder Pedalboard. Die oberen recht exponierten Regler sind komplett aus Plastik und wirken nicht übermäßig stabil. Wer da versehentlich mal drauftritt, wird die Knöpfe sicher killen. Die zwei Fußschalter sind solide und haben einen guten Druckpunkt.

Anschlüsse
Mono-In, Stereo-Out, Expression-Pedal, Midi-In, Midi-Through, Kopfhörer, USB-C, 9V und Bluetooth. Damit kann man schon richtig was anfangen. Die Buchsen funktionieren alle sehr geschmeidig und halten die Stecker ordentlich fest. Ich erwähne das, weil beim Pocketmaster der eine TRS Anschluss zu lose ist und der andere zu fest.
Software und Bedienung
Die durchdachte Oberfläche lässt sich intuitiv und flüssig bedienen. Eine Anleitung braucht es da eigentlich gar nicht. Durch die BT Verbindung, kann man das eigene Smartphone mit dem Valeton GP-50 verbinden und über die Valeton Suite App das Gerät vollständig per App bedienen. Neben der Bedienung, kann man über die App eigene NAM Profile und IRs importieren.

NAM und IR
Beim Importieren von NAM Profilen, werden diese in SnapTones umgewandelt. Das bedeutet im Grunde nur, dass die NAM Profile auf ein Niveau heruntergerechnet werden, die der kleine Prozessor des GP-50 auch verarbeiten kann. Dadurch leidet die Qualität etwas, aber im Vergleich mit dem VST-Plugin nur ganz minimal. Live oder im Bandkontext merkt man keinen Unterschied. Im Studio natürlich schon. Bei IRs lassen sich nur 1024er Samples importieren. 2048er werden als „ungültig“ abgelehnt. Leider lassen sich NAM und IR nicht gleichzeitig verwenden. Sobald der NAM-Block aktiviert wird, schalten sich AMP und CAB ab. Man muss sich also gut überlegen, ob man NAM-Captures als Full-Rig oder Amp Only importiert. Wenn man aus sicht des Bassers eine ordentliche Bass-Rig nimmt (z.Bsp. mein 1977er Marshall JCM800 Bass (Super Bass) mit Marshall 4×12 Cabinet) braucht man nur noch einen Compressor und vielleicht etwas EQ, um einen fetten und wirklichen guten Bass-Sound zu bekommen. Das Signal ist rauschfrei.
NAM bedeutet nicht Qualität
Es gibt NAM Captures bei TONE3000, die sind exzellent und andere, die sind einfach Mist. Am Ende hilft da nur durchprobieren. Scheinbar wird die Zahl derer, die da Sachen hochladen, die aus anderen Modelern gecaptured wurden, immer höher. Klar kann man machen und muss nicht schlecht klingen (ich hab das auch schon gemacht), aber ich würde das nicht hochladen. Meine 3 NAMs, die ich bei TONE3000 hochgeladen habe, sind reale Amps. Fairerweise sollte man die echte Quelle dazuschreiben. Ich habe ein paar meiner Headrush Modelle als NAM erstellt und das kommt schon gut rüber. Allerdings darf man sich von der Gesamtqualität des Valeton GP-50 nicht zu viel versprechen. Ich habe ja nun den direkten Vergleich zu Hause bzw. im Proberaum und während ein Headrushclone wie das Original klingt und auf jede feine Dynamikänderung anspricht, ist das Valeton GP-50 eher dumpf. Was beim Headrush extrem transparent und räumlich klingt, fehlt beim GP-50 vollkommen. Das ist vielleicht ein unfairer Vergleich, aber im Netz werden die Valeton Geräte sehr gehypt und der Hype passt da einfach nicht zur Realität.
EQ und Effekte
Das man uns Bassisten nicht vergessen hat, sieht man an 2 unterschiedlichen Bass EQs, die jeweils unterschiedliche Frequenzbänder bedienen. Das funktioniert sehr gut. Mit dem Bass EQ 1 kann man bei 600 Hz absenken und damit einem Shortscale das Quaken austreiben. Auch die 2 Compressoren werkeln gut. Bei den Modulationen, Delays und Reverbs gibt es immer wieder einzelne Effekte und/oder Kombinationen, die ein unangenehmes Rauschen erzeugen. Das nervt mich erheblich. Dazu muss man nur mal einen der beiden Platereverbs aktivieren. Plate L rauscht wie die Hölle und erzeugt Artefakte beim Ausschwingen, während Plate (ohne L) einwandfrei funktioniert. Die Zerren und Overdrives sind teils ziemlich geil und teils grottig. Glücklicherweise lässt sich aber fast immer ein Setup finden, was einen guten Sound produziert.
Patch und Stomp
Ich finde es wirklich gut gelöst, das man entweder durch die Patches blättern kann, oder durch einen langen Druck auf den rechten Schalter den Stomp Mode auf dem Patch aktiviert. Für den Stomp Mode kann man 1 bis beliebig viele andere Effekte einem Schalter zuweisen. Also quasi „Szenen-Light“ (wenn man mal an den Headrush denkt). Wo allerdings die Entwickler*innen des Valeton GP-50 wohl zu viele Pilze gegessen haben, ist die Beleuchtung der Fußschalter beim Aktivieren(Deaktivieren). Leuchtet der Schalter Grün, ist er in dem Zustand, den er beim Speichern des Patches hatte. Wird er rot, zeigt er damit an, dass der jetzt andere Zustand aktiv ist. Das Licht sagt also nicht, ob ein Effekt an oder aus ist, sondern nur, dass der Zustand ein anderer ist als vorher. Auf dem Display kann man aber den Zustand korrekt erkennt (ausgegraut für AUS und bunt für AN).

Display
Das Display kann man in 3 Stufen in der Helligkeit regeln und ist sehr hell und kontrastreich. Auch wenn es sehr klein ist, ist die Ablesbarkeit super. Die Auflösung ist so mittelprächtig, aber ich denke mehr braucht es da auch gar nicht.
Interface
Man kann das Valeton GP-50 per USB als Audio Interface verwenden. Dabei ist die Schnittstelle fest auf 44,1 kHz bei 16 bit eingestellt. Der Dynamikumgang bei 16 bit ist schon sehr beengt und erlaubt kaum Pegelreserven in der DAW, ohne den Noisefloor in einen aufdringlich hörbaren Bereich zu bringen. Man kann glücklicherweise den USB Pegel im Gerät sehr weil hochregeln. Auf diese weise kann man sich einem optimalen Pegel gut annähern. Als Audiointerface ist das GP-50 also keine gute Option. Insgesamt klingt es erheblich besser, wenn man über ein echtes Interface in die DAW geht. Die Latenz hält sich in Grenzen. Eine Umschaltung von Soft- auf Hardwaremonitoring geht mit dem Valeton GP-50 nicht.
Tuner
Beim Sonicake Pocketmaster funktioniert der eingebaute Tuner nicht mit dem Bass. Bis zur A Saite kann man so leidlich stimmen, aber darunter nicht mehr. Beim Valeton GP-50 funktioniert der Tuner absolut tadellos auch mit einer tiefen B Saite. Die Stimmung selbst ist sehr akkurat.

Looper und Drums
Leider kann der Looper nur bis zu 20 Sekunden lange Phrasen aufnehmen. Auch wenn das gut funktioniert, sind aber 20 Sekunden einfach zu wenig. Ich habe ja ein Solo-Programm, wo ein Looper für mich essentiell ist, aber für einen guten Songaufbau reichen mir 20 Sekunden nicht. Auf diesem Grund ist der Looper für mich ganz klar raus. Die Drums sind ein nettes Feature, weil man da ein Metronom an Bord hat. Richtige Drum Sounds muss man über die App via BT Audio einsteuern. Das Gerät selbst kann nur Metronom spielen. Die Drums sind so lala und was die Chinesen unter Latin bzw. Bossa verstehen ist eine Anfechtung. Für den Bossa gibt’s von mir die Schulnote 6.
Akku und Strom
Eines der wichtigsten Kriterien für das schmale Gepäck, war der eingebaute Akku. In meinem ersten Test habe ich mit einer halben Akkuladung 2 Stunden und 10 Minuten geschafft. Die angegeben 4 Stunden könnten also hinkommen. Strom gibt es aber auch via USB-C oder der 9V Buchse.
Mein Fazit
Für den Preis (aktuell 01/2026 bei 119 Euro) bekommt man ein kleines Kraftpaket, was einen soliden Bass-Sound produzieren kann. Das Valeton GP-50 kann vieles und macht vieles befriedigend bis gut, aber es macht halt nichts besonders gut. Gemessen am Preis geht das alles aber in Ordnung. Wer auf die letzten Feinheiten im Sound wert legt, ist beim GP-50 falsch. Aber mal ehrlich: Überlegt mal, mit was für einen Equipment die geilen Klassiker der 60ies bis 90ies teilweise aufgenommen wurden, also in der Zeit vor der Digitalisierung. Da ist das Valeton GP-50 echter Hightech. Ich hätte keine Hemmungen damit direkt in ein Pult zu gehen, solange es Clean und nur Amp-Simualtion sein soll. Die Effekte eignen sich nicht fürs Studio, aber wer macht das heute noch? Da geht mit Plugins viel mehr. Für Live und im typischen Kneipengig-Matsch ist das Valeton noch fast zu gut. Also: Preis-/Leistung geht voll in Ordnung und damit klarer Daumen hoch.
Andi 8. Januar 2026
Hi Mats,
ich habe mir Deinen VOX Superbeetle heruntergeladen. Erstmal vielen Dank dafür, ein brutal guter Sound. Bei mir ist der aber sehr leise, selbst wenn ich Vol. vom NAM Block auf 100 stelle. Muss das so? Geht das auch lauter?
Andi
Matz 8. Januar 2026 — Autor der Seiten
Hallo Andi,
das geht deutlich lauter. Beim VOX habe ich das NAM mit wenig Pegel erzeugt, weil das sonst immer stark verzerrt hatte. Du musst Gain auf 75, Vol auf 100 und dann einen EQ Block aktivieren, dessen Vol über 80 ist und dann das Patch Vol auf 90 setzen. Das ergibt einen gesunden Pegel am Ausgang.
Gruß, Matz
Andi 8. Januar 2026
hey danke! Echt Hammersound!
Andi