Compact Rangefinder – Einstieg in die Praxis

Nach einigem Überlegen ist die Entscheidung gefallen: Du willst in die Welt der Meßsucherfotografie einsteigen. Euphorisch wartest Du auf die Lieferung, reißt vor Begeisterung den Karton in tausend Stücke und lädst den ersten Film. Doch ohne Erfahrung im Umgang mit Meßsuchern, kommt meist jetzt schon eine gewisse Ernüchterung. Und noch ernüchternder werden vielleicht die ersten Bildergebnisse, auf denen nichts wirklich scharf erscheint und auf denen der Bildausschnitt irgendwie nicht stimmt. Ich könnte das düstere Bild jetzt noch finsterer zeichnen, denn möglicherweise stimmt bei einigen, oder sogar allen Bildern die Belichtung nicht.

RTFM, könnte man meinen, doch wer denkt denn schon daran, die Bedienungsanleitung zu lesen? Zumal es doch bei so einer antiken Rangefinder Kamera nicht viel zu bedienen gibt, oder?

Leider doch. Daher kommt hier jetzt der Einstiegsguide für frischgebackene Meßsucherjunkies. Im folgenden Text ist vielleicht von “KoMiReCa” die Rede. Es dreht sich dabei um die Konica Auto S3, Minolta Hi-Matic 7s II, Revue 400 SE und Canonet GIII.

  1. Kontrolliere den AUTO Modus. Wenn Deine Kamera eine automatische bzw. halbautomatische Belichtung anbietet, muss dieser Modus auch aktiviert sein. Bei der KoMiReCa gibt es am Objektiv einen Ring, auf dem Du ein A oder AUTO findest. Damit die Belichtungsmessung funktioniert und damit auch die automatische Wahl der Blende, muss der Ring in die Position AUTO gedreht werden.
  2. Lass Dich nicht vom Entfernungsring verwirren. Gerade bei den KoMiRe (ohne Ca) ist die Entfernungsskala am Fokusring nur ein grobes Schätzinstrument. Vor allem je weiter es Richtung Unendlich geht. Dieser Ring taugt nichts, um verlässlich die Entfernung zu bestimmen. Nur bei der Canonet ist die Markierung einigermaßen genau.
  3. Sei Dir bewusst, dass das Fokussieren per Meßsucher einer gewissen Ungenauigkeit unterliegt und geübt werden will. Eine erste Hilfe für hinreichend scharfe Bilder kann sein, über die Hyperfokaldistanz je nach Blende etwas vor das eigentliche Motiv zu fokussieren. Aber nur einen Hauch! Ab Blende 5.6 sollte man dann eigentlich immer genug Schärfe auf das Motiv bekommen.
  4. Übe das Fokussieren nicht an der Naheinstellgrenze. Für scharfe Nahaufnahmen bei Offenblende braucht es Übung, Übung, Übung.
  5. Fokussiere am besten auf Kontrastkanten, die vertikal verlaufen.
  6. Traue nicht bedingungslos der Belichtungsmessung. Die Kameras verwenden eine einfach Fotozelle und reagieren teilweise recht eigenwillig auf helle Lichtpunkte oder Gegenlicht. Alle diese Kameras können den Messwert speichern, in dem man den Auslöser halb gedrückt hält. Richte die Kamera im A Modus auf eine Stelle, die eine plausible Belichtung (Kombination aus Verschlusszeit und Blende) ergibt, fixiere den Messwert und verschwenke dann zurück auf das eigentliche Motiv. So kannst Du die Belichtungsautomatik jederzeit austricksen.
  7. Es gibt mittlerweile sehr brauchbare Apps fürs Smartphone, mit denen Du eine Belichtungsmessung machen kannst.
  8. Beachte, dass Du trotz der Markierungen im Sucher einen etwas anderen Bildausschnitt siehst, als das Objektiv. Wenn Du Architektur fotografierst, kann es durchaus helfen, zwischendurch mal über die Mitte des Objektives das Motiv anzupeilen, um die Perspektive besser zu treffen. Besonders kommt das im Nahbereich zum tragen.
  9. Wenn Du den Selbstauslöser verwendest, spanne vorher den Verschluss. Löse dann erst aus.
  10. Spanne den Selbstauslöser niemals, während Du gleichzeitig auf den Auslöser drückst. Das kann die Mechanik nachhaltig beschädigen.
  11. Wenn der Film fast am Ende ist, bewege den Transporthebel vorsichtig und langsam. Mit zuviel Energie und Kraft, kann der Film aus der Patrone reissen.
  12. Denke daran, dass im A Modus die Belichtungsmessung dauerhaft aktiv ist und sich die Batterie schnell entleert. Setze daher den Objektivdeckel immer auf, wenn Du die Kamera nicht benutzt.
  13. Was bedeuten die 2-stelligen Zahlen neben dem A Modus ? Diese Frage kommt häufig. Diese Zahlen sind die Leitzahlen, die dein manueller Blitz haben könnte und diese Einstellung darf NUR mit einem aufgesteckten und einsatzbereiten manuellen Blitz verwendet werden. Was ist ein manueller Blitz? Damals hat man Blitzgeräte gerne verkauft, die nur in einer einzigen Einstellung blitzen konnten. Also immer volle Power. Der Blitz hatte irgendeine Leitzahl, also eine Kennziffer bis zu welcher Entfernung er ein Motiv bei ASA 100 korrekt ausleuchten könnte. Die geniale Konstruktion der KoReCa funktioniert so, dass Du einfach die Leitzahl des Blitzes einstellst und die Kamera stellt je nach Entfernung zum Motiv die richtige Blende ein. Das ganze funktioniert rein mechanisch. Ohne einen Blitz entstehen in diesem Modus Fehlbelichtungen. Das führt uns wieder zu Punkt 1: Denke an den AUTO Modus.
  14. Batterieprobleme. Davor ist man bei einer alten Kamera nie ganz sicher. Wenn der Belichtungsmesser nicht reagiert, trotz Modus A und ausreichend Licht, gilt es die Batterie und die Kontakte zu prüfen. Die Canonet GIII hat einen Check. Drücke fest auf die Taste. Es sollte ein kleines Lämpchen leuchten. Wenn nicht und das gilt jetzt für alle Kameras: Entferne die Batterie, wische die Batterie mit einem sauberen, trockenen Tuch ab und reinige die Kontakte im Batteriefach. Schon eine Batterie, die mit den Fingern angefasst wurde, kann zu Kontaktproblemen führen. Setze die Batterie dann wieder ein und prüfe erneut. Meistens hat sich das Problem damit erledigt.
Die Konica Auto S3 und ihre Einstellringe und Markierungen

Ein Meßsucher braucht Übung und ein gutes Vorstellungsvermögen, da Du keine visuelle Rückmeldung über die Schärfentiefe bekommst. Manchmal – gerade am Anfang – werden einige Bilder einfach nichts. Mit der Zeit aber, lernt man den Meßsucher zu schätzen und nicht wenige werden davon absolute Fans.

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