7Artisans 35mm 2.0 – Update

Die preiswerten Linsen aus Fernost locken vor allem mit ihrem niedrigen Preis. Überspitzt könnte man meinen, dass es auch schon teurere Gehäusedeckel gegeben hat, doch fairerweise muss man zugestehen: Die Objektive aus China sind nicht schlecht und sind ganz sicher ihren niedrigen Preis wert. So wie das 7Artisans 35mm für Leica M.

Update: Am Ende des Artikels gibt es ein Fazit nach meiner Langzeit Erfahrung mit dem 7Artisans 35 2.0

Ich muss zugeben, dass ich deutlich lieber ein Voigtländer oder Zeiss an meine M Kamera setzte und dass mir die Ästhetik einer Linse nicht ganz unwichtig ist. Voigtländer und Zeiss machen das ganz geschickt und werten ihre Objektive optisch mit polierten Teilen auf. Ein glänzender Frontring macht einfach mehr her, als ein uniformes schwarz. Ein 35er Summicron ist schwarz sieht längst nicht so schön aus, wie die neue Voigtländer Classic Serie. Selbstverständlich lässt sich über den Geschmack nicht streiten. Man mag es oder eben nicht. Und über die eigentlichen Qualitäten braucht man bei Summicron ohnehin nicht debattieren.

Für mich ist der Charakter der Linse, den ich auf den Bildern sehen möchte, meistens wichtiger als Schärfe und wenn die Kamera dann doch im Schrank steht, darf sie auch gerne nett aussehen. Objektive wechseln ist auch nicht so meins und 35mm ist meine Brennweite. Aus diesem Grund hat sich nicht nur ein 35mm Objektiv bei mir angesammelt.

Die Linsen von 7Artisans sind eine sehr günstige Alternative für Wechselfaule. Was das 35mm F2 nicht sein sollte, ist das #1 Objektiv im persönlichen Lineup. Wer sein erstes 35mm für die M sucht, der sollte mindestens zum Voigtländer greifen.

Als 2. Objektiv – oder böse gesagt als Bodycap – ist das 7Artisans 35mm F2 gut geeignet. Es bildet hinreichend scharf ab, erzeugt ein gefälliges Bokeh und lässt sich einigermassen angenehm bedienen. Der Fokus geht nicht so butterweich, wie an einer hochwertigen Linse. Die Verarbeitung ist solide aber nicht hochwertig. Die Teile sind CNC gefertigt und nicht sorgsam nachbearbeitet. Zu dem Preis kann man das auch nicht erwarten. Positiv für den Mechaniker ist die Erkenntnis, dass es eine Ganzmetallkonstruktion ist. Es lässt sich also nach Belieben nachbearbeiten und einfach zerlegen.

Upcycling am 7Artisans

Da das langweilige schwarz nicht so mein Fall ist und der plumpe Aufdruck am Frontring nicht wirklich nett aussieht, hat das Objektiv ein kleines handwerkliches Upgrade bekommen. Der Frontring ist nun mattglänzend poliert und der Aufdruck ist hinter einem Leica Vulkanit Style Kameraleder verschwunden. Etwas Silikonfett im Scheckengang hat für Geschmeidigkeit gesorgt.

Neuer Glanz

Das Objektiv wirkt mit dieser Änderung ganz anders, als im Original. Der Hersteller wäre sicherlich gut beraten, von Haus aus etwas mehr Pepp in das Design zu bringen, aber das wird sich mit dem Preis nicht vereinbaren lassen. Die Baugruppen des 7Artisans 35mm sind nur mit einer dünnen Lackschicht überzogen, die nicht einmal im Ansatz beständig gegen Lösungsmittel ist. Der Lack am Frontring war in weniger als einer Minute entfernt. Die Alulegierung ist sehr weich und lässt sich mit dem Fingernagel zerkratzen. Ja, hier wurde günstig produziert.

Ich mag Bastelartikel und habe schon jede Menge Ideen, was ich mit der Linse veranstalten könnte. Mein Fazit lautet kurz und knapp: Sehr guter Preis, Gute Abbildungsleistung, Befriedigende Qualität, Ausreichende Nachhaltigkeit, Mangelhaftes Zubehör. Den Schraubendreher und den Beutel sollte man entsorgen.

Update: Langzeit Fazit

Der Linse mangelt es nicht unbedingt an Schärfe und besonders für die analoge Fotografie ist sie ausreichend. An der Digitalen jedoch zeigt sie besonders an den Rändern echte Schwächen. Über das könnte ich noch hinwegsehen, aber der nächste Punkt ist gravierender: Die Farbwiedergabe. Das Rendering der Farben ist im Grunde klinisch tot. Neutral mit einem Hang zu kalten Farben und ganz schwache Leistung bei Grüntönen. Für Landschaft ist das 7Artisans 35 2.0 kaum geeignet. Es gibt auch kaum Filme, mit denen die Linse harmoniert. Einzig der Kodak Ektar 100 entlockt der Linse ein paar kräftige Farben. Ansonsten fehlt es über das gesamte Spektrum an Sättigung.
Im Gegenlicht ist die Performance schlecht und Kontraste sucht man unter diesen Bedingungen vergeblich. Man muss mit viel Kunstlicht nachhelfen, um Lebendigkeit ins Motiv zu bekommen.
An der Digitalen sind die Ergebnisse Neutral und lassen sich in der Nachbearbeitung ganz passabel verbessern. Die Bilder erinnern aber meist an Tatortfotos, was zu einem Teil auch an dem harten Unschärfeverlauf liegt. Die Anmutung erinnert eher an eine Handykamera, als an ein Objektiv mit einer einigermaßen großen Blende.
Zu Empfehlen ist das Objektiv eigentlich nicht. Es ist nur der Preis, der die Linse attraktiv erscheinen lässt. Ich kann nur dazu raten, lieber auf ein Voigtlander 35mm 1:1.4 zu sparen, als sich mit dem 7Artisans zu befassen.

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