Werkstatt Talk: Meßsucher selbst justieren.

Eine Meßsucherkamera lebt von einem exakt eingestellten Meßsucher und die feinfühlige Einstellung des Meßsuchers kann sich im normalen Alltagsgebrauch durchaus verstellen. Besonders wenn die Kamera altert und der Sicherungslack an den Stellschrauben spröde geworden ist, reicht eine gröbere Erschütterung und der Meßfleck sitzt nicht mehr da, wo man ihn gerne hätte. Das gilt besonders für die vertikale Ausrichtung des Meßflecks, also die Einstellung, die festlegt, ob der Meßfleck in einer Ebene zum Sucherbild erscheint, oder nach oben oder unten verschoben ist.

Während die Justage der vertikalen Ausrichtung jederzeit selbst gemacht werden kann, sollte man ohne optische Messinstrumente die Finger von der Justage der Entfernungseinstellung lassen. Ohne präzise zu wissen, ob das Objektiv in der Unendlichstellung ein optimal scharfes Bild erzeugt, ist jegliches Justieren an der Entfernungseinstellung zum Scheitern verurteilt. Ausgenommen man landet einen Zufallstreffer, oder ist mit der Schärfe so wie sie ist zufrieden.

Es ist aber dennoch praktisch zu wissen, wie man die Kamera justiert. Die Hersteller waren nämlich so nett, die Kameras so zu konzipieren, dass man den Meßsucher immer justieren kann, ohne die Kamera öffnen zu müssen.

Hinweis:
Für alle beschriebenen Arbeiten sind Feinmechaniker-Schraubendreher höchster Qualität erforderlich. Die Justierschrauben sind immer Schlitzschrauben aus weichem Messing und sehr empfindlich. Da sie teilweise keine Schraubenköpfe besitzen und mit Lack gesichert sind, ist eine etwas höhere Kraft notwenig. Falsches oder schlechtes Werkzeug kann diese Schrauben komplett zerstören!

Die Einstellung der vertikalen Ausrichtung des Meßflecks erfolgt fast immer über den Blitzschuh:

Abheben der Abdeckung

Um an die Justierschraube zu gelangen, wird die Abdeckung im Blitzschuh abgehebelt. Dahinter befindet sich eine Öffnung:

Zugang zu vertikalen Justierschraube bei der Revue Auto S22. Gilt auch für: Konica Auto S2, Konica Auto S3, Revue 400 SE, Hi-Matic 7s II und im Grunde für nahezu alle kompakten Meßsucherkameras

Es sollte ausreichend Licht vorhanden sein und ggf. eine Lupe verwendet werden, um die Stellschraube zu orten. Mit einem passenden Schraubendreher wird die Schraube nun in minimalen Schritten von höchstens einer 1/4 Umdrehung gedreht und das Ergebnis durch den Sucher begutachtet. Ganz wichtig: Niemals mehrere Umdrehungen machen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Schraube komplett herausgedreht wird und in der Sucher fällt.

Es kann vorkommen, dass sich trotz Drehen an der Stellschraube, das Sucherbild nicht verändert. Es gibt 2 Arten von Meßsuchertypen. Bei der einen Sorte wird der Meßsucherspiegel durch die Stellschraube gekippt und bei der anderen Sorte, wird die Projektionslinse zwischen Meßsucherspiegel und Sucherspiegel in der Höhe verstellt. Bei letzterer Art kann die Stellmechanik festsitzen. In diesen Fall sollte die Kamera in die Werkstatt, um den Meßsucher komplett zu überholen.

Ist die vertikale Ausrichtung eingestellt, kann der Blitzschuheinsatz einfach wieder von hinten eingeschoben werden, bis es klickt. Fertig ist die Justage.

Hinweis: Bei machen Modellen befindet sich die Entfernungseinstellung ebenfalls hinter dem Blitzschuh. In solchen Fällen findet man 2 Bohrungen.

Entfernungseinstellung bei der Konica Auto S2

Um die Entfernung zu justieren, gibt es 2 Möglichkeiten. Bei der Konica Auto S2, S1.6, S, Revue Auto S22 befindet sich unterhalb des Suchers eine Abdeckschraube. Diese Schraube kann mit einer Pinzette oder einem Schraubendreher gegen den Uhrzeigersinn herausgedreht werden. Dahinter findet sich die eigentliche Stellschraube.

Zugang zur Entfernungseinstellung bei der Minolta Hi-Matic 7s II, Revue 400 SE, Konica Auto S3, etc.

Bei den meisten anderen Kompakten, befindet sich der Zugang im Filmfach. Unterhalb des Sucherfensters befindet sich ebenfalls eine Abdeckschraube, die gegen den Uhrzeigersinn losgedreht wird.

Die Stellschraube liegt hinter der Öffnung

Die Stellschraube ist sehr klein und sehr empfindlich. Darüberhinaus ist sie vom Werk nach der Justage mit Sicherungslack versehen worden. Hier kommt man nur mit einem hochwertigen Werkzeug weiter. Lässt sich die Schraube mit Handkraft nicht verstellen, was sehr oft vorkommt, dann sollte man den Selbstversuch abbrechen! Die Schraube muss mit einem Lösemittel gangbar gemacht werden. Alles Andere wird diese Schraube mit Sicherheit schwer beschädigen.

Sofern die Schraube aber drehbar ist, kann man nun die Justage durchführen. Für den Fall, dass sichergestellt ist ist, dass die Optik in Unendlichstellung scharf abbildet, wird jetzt das Objektiv in Unendlich gebracht. Der Meßsucher wird nun so justiert, dass das Mischbild sich auf einem Motiv in 300-500m Entfernung exakt überlagert.

Ein gutes Feinmechanikerwerkzeug ist unerlässlich.

Diese kleine Anleitung ist anwendbar auf:

  • Canon Canonet
  • Canon New Canonet
  • Canon Canonet G-III
  • Revue 400 S
  • Revue 400 SE
  • Revue Auto S22
  • Konica Auto S
  • Konica Auto S2
  • Konica Auto S1.6
  • Konica Auto S3
  • Minolta Hi-Matic 5
  • Minolta Hi-Matic 7
  • Minolta Hi-Matic 7s
  • Minolta Hi-Matic 7s II
  • Minolta Hi-Matic F, G
  • Olympus 35 RD
  • Olympus 35 SP
  • Olympus 35 RC

Für viele Schwestermodell dieser Kameras, die hier nicht im einzelnen aufgeführt sind, gilt dieses Verfahren ebenfalls.

Viel Spass und Glück beim Justieren!
… und falls die Einstellung doch nicht so funktioniert hat: Ab zum Service!

One Comment

  1. Super!!! Ich habe Ewigkeiten schon nach brauchbaren Informationen gesucht, wie ich den Meßfleck bei meiner Konica Auto S2 wieder gerade bekomme, ohne irgendwie die Kamera auseinander bauen zu müßen. Vielen Dank für diesen tollen Blog!
    Thx, CF

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