Das Objektiv wackelt – warum eigentlich?

Bei der Revue 400 SE, der Minolta Hi-Matic 7s II und der Konica Auto S3 wird gerne von einem Objektiv berichtet, das wackelt. Das kann ein leichtes Spiel sein, aber auch eine regelrecht lose und wackelige Angelegenheit. Wir werfen also hier einen Blick darauf, warum das Objektiv wackelt und was man dagegen unternehmen kann.

Zuerst gehen wir in die Mythen-Abteilung. Das Objektiv wackelt immer, heisst es hier und da und das Spiel macht nichts aus. Fakt ist: Im Neuzustand hat das Objektiv der ReMiCo (Revue, Minolta, Konica) überhaupt kein Spiel und wackelt auch nicht. Es wackelt auch nicht nur ein bisschen, oder hat leichtes Spiel. Es ist bombenfest und wackelt garantiert gar nicht. Ein weiterer Fakt ist, dass ein ganz leichtes Spiel wirklich nichts ausmacht, sofern es nur von Sicherungsring am hinteren Linsenelement herrührt.

Das ist auch schon einer der häufigsten Gründe. Der komplette Copalverschluss mit den beiden Linsengruppen ist von vorne in den Objektivträger geschoben und wird nur mit einem Sicherungsring gehalten. Lockert sich dieser Sicherungsring, dann haben wir Spiel im Objektiv. Man kann diesen Ring wieder festziehen und das Spiel ist dann entweder weg, oder deutlich weniger geworden. Wackelt es danach aber immer noch, liegt das Problem oder der Verschleiß tiefer.

Explodiert: Der Objektivträger und Objektivtrieb einer Revue 400 SE in seine Bestandteile zerlegt.

Das Objektiv selbst wird vom Objektivtrieb über einen Schneckengang vor und zurück bewegt. Im Zentrum befindet sich ein großes Messinggewinde, dass von vorne auf der Trägerplatte ruht und von der Rückseite mit einem Sicherungsring aus Messing befestigt ist.

Sorgt für Bewegung und ist das Herzstück des Objektivtriebs…
… und wird durch den Sicherungsring befestigt.

Das Spiel und die Geschmeidigkeit in der Objektiveinheit wird maßgeblich vom Sitz dieser Messingschnecke beeinflusst. Ist dieser Sicherungsring lose, oder ist Spiel durch Verschleiss entstanden, wackelt das Objektiv. Ebenso kritisch ist die Schmierung dieses Bauteils. Ohne Fett und durch Verunreinigungen (z.Bsp. Sand), läuft die Fokussierung rau oder ohne den nötigen Widerstand.

Noch eine Schnecke.

Das Objektiv seinerseits ist fest mit dem schwarzen Innentrieb verbunden. Dieses Teil trägt natürlich auch zur Geschmeidigkeit der Fokussierung bei und sollte sauber und gut gefettet sein. Bei der Revue 400 SE und der Minolta Hi-Matic 7s II ist der Innentrieb aus Kunststoff und kann erheblich verschleißen. Bei der Konica Auto S3 ist dieses Bauteil aus Aluminium gefräst und zeigt erheblich geringeren Verschleiß.

Wackelt also Dein Objektiv, dann gilt es zu prüfen, was die genaue Ursache dafür ist. Bei einem CLA wird der Objektivsicherungsring nachgezogen und der Innentrieb nachgefettet. Der Aussentrieb gehört nicht zum CLA. Diese Arbeit gehört entweder zu einer Reparatur oder einer Vollrestauration.

Was passiert wenn das Spiel im Schneckengang zu groß ist? In dem Fall wirkt sich das auf das Scharfstellen und die Abbildungsleistung aus. Wem es um das perfekte Bildergebnis geht, sollte dieses Problem beheben. Eine vollständig gewarteter Objektivtrieb fühlt sich an, wie eine nagelneue Kamera.

Für Do-It-Yourself-Macher ein Hinweis: Unbedingt beim Demontieren die Position der Teile zueinander markieren und Fotos machen, sonst hat man ohne Messtechnik kaum eine reelle Chance, die Kamera wieder korrekt abbildend aufzubauen.

2 Comments

  1. Hallo Matz,
    das ist ein echt hilfreicher Beitrag! Ich hatte meine Minolta Hi-Matic 7s II bei einer Kamerawerkstatt, wo sie für viel Geld revidiert wurde. Das Objektiv wackelt immer noch und ich finde auch, dass der Fokus nicht viel besser läuft als vorher.
    Meinst Du, daß Du das Wackeln abstellen kannst? Es ist die Kamera von meinem Großvater und mir liegt etwas daran, dass die Kamera wieder wie neu ist.

    Grüße, Axel

    • Hallo Axel,
      Das Wackeln kann man definitiv und ganz sicher beseitigen. Du kannst mir gerne eine Nachricht über die Kontaktseite schicken, dann kümmere ich mich gerne um die Kamera.
      Gruss, Matz

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