Werkstatt Talk: CLA

Was genau ist ein CLA? Diese Frage ist mit großen Abstand die Frage, die am häufigsten gestellt wird. Aus diesem Grund gibt es nun endlich einen eigenen Beitrag dafür.

Die Abkürzung CLA steht für die drei englischen Worte: Clean, Lubricate, Adjust. Übersetzt heißt das soviel wie: Reinigen, Schmieren, Justieren. Es wird im Netz viel über das für und wider eines CLA diskutiert, doch eines ist klar: Bewegliche Teile brauchen ein regelmäßigen Abständen Pflege und nur weil vielleicht die Kamera noch arbeitet, heißt das nicht, dass sie so funktioniert, wie es vom Werk aus einmal vorgesehen war. Das zu erkennen ist für den frisch gebackenen Besitzer einer alten Kamera fast unmöglich, wenn er nicht parallel dazu die fabrikneue Kamera vergleichen könnte. Daraus leiten sich dann pauschale Aussagen ab wie: “Bei jeder Revue 400 SE wackelt das Objektiv”, oder “Jede Konica Auto S2 hat Fokuscreep” (mit Fokuscreep ist das selbsttätige Ausfahren des Objektivs gemeint, wenn die Kamera nach unten gehalten wird), und nicht zu vergessen das beliebte “Eine Leica M braucht keinen CLA”.

Auch eine Leica M braucht selbstverständlich Pflege.

Man sollte nicht vergessen: Heute im Jahr 2019 sind diese Kamera 40 oder 50 Jahre alt und es gab möglicherweise in der Zeit Vorbesitzer, die damit jahrelang in jedem Strandurlaub 20 Filme verschossen haben. Ich habe schon die kuriosesten Dinge aus dem Inneren von Kameras geborgen. Von alienartigen Insekten bis hin zu unanständigen Merkwürdigkeiten. Sandkörner und Korrosion durch Salzluft gehören aber zu den beliebtesten Funden.

Das häufigste Feedback nach einem CLA, das ich bekomme ist: “Ich hätte nie gedacht, dass die Kamera so leise und geschmeidig funktioniert.” Darüberhinaus fällt auch ein wirklich gereinigter Meßsucher sofort auf. Und das besonders bei den Kompakten Messsuchern mit ihren vielen Spiegeln und Oberflächen.

Vorbereitung für den CLA an einer Revue 400 SE.

Beim CLA wird die Kamera als erstes in ihre Hauptbaugruppen zerlegt und dabei inspiziert. Oftmals ist Sand oder andere Arten Schmutz in die Kamera gelangt und hat sich zusammen mit den alten Schmierstoffen in eine klebrigen Masse verwandelt. Ein besonderes Augenmerk muss auch auf alle Verdrahtungen und Lötstellen gelegt werden.

Die Objektiveinheit.

Die Objektiveinheit einer kompakten Messsucherkamera bekommt eine gesonderte Behandlung. Fokus, Verschluss, Optik, Belichtungsmesser und Selbstauslöser sind hier zu einer Gruppe zusammengefasst. Je nach Zustand muss diese Einheit fast komplett zerlegt werden.

Zerlegen der Objektiveinheit, um den Schneckengang warten zu können.

Ein immer wieder großes Problem ist der Scheckengang, über den das Objektiv fokussiert wird. Entweder ist der Fokus bei einer alten Kamera schwergängig, oder lose und klapperig. Hier ist es obligatorisch den Schneckengang komplett freizulegen, zu reinigen und alles mit einem hochwertigen Fett wieder zusammen zu setzen. Nach dieser Behandlung läuft der Fokus samtig weich und gedämpft. Allerdings gilt es hier zu beachten, dass bei Kameras mit Kunststoffgewinden es hier erheblichen Verschleiß geben kann, der sich mit einem CLA nicht mehr ausgleichen lässt. Ein CLA ist kein Wundermittel gegen eine defekte Kamera.

Das Chassis.

Mit allen weiteren Baugruppen wird ähnlich verfahren, d.h. alte Schmierstoffe werden entfernt, die Mechanik wird gesäubert und anschliessend werden alle Teile mit frischen Öl, Fett oder Graphit (je nach Bauteil) montiert.

Der Meßsucher wird an allen Oberflächen mit einer milden Reinigungsflüssigkeit gereinigt. Vorsichtig und ohne Druck wird der Belag von allen Spiegeln und Gläsern entfernt. Aggressive Reiniger haben im Meßsucher nichts verloren, da sie die beschichteten Oberflächen nachhaltig schädigen können.

Sind alle gereinigten und geschmierten Teile wieder zusammen, wird die Kamera justiert. Dazu kommt sie als erstes unter den Autokollimator. Hier wird geprüft, ob das Objektiv in Unendlichstellung ein perfekt scharfes Bild erzeugen kann und ggf. wird das Objektiv nachjustiert. Erst wenn der Kollimator grünes Licht gibt (bei meinem ist es tatsächlich ein grüner Leuchtpunkt), wird die Unendlichstellung des Meßsuchers auf das Objektiv eingestellt. Sofern die Kamera weitere Justagepunkte vorsieht, werden diese nun nacheinander durchgeprüft.

Bei Kameras mit Schlitzverschluss wird dieser auf den korrekten Ablauf der beiden Vorhänge geprüft und justiert. Die Verschlusszeiten werden gemessen und entsprechend eingestellt.

Endmontage.

Nachdem die justierte Mechanik und Optik wieder eine erkennbare Kamera ergeben, wird die Belichtungsmessung geprüft und auf moderne Batterien umjustiert.

Zum Abschluss bekommt die Kamera neue Lichtdichtungen und ist nun bereit wieder sehr viele Filme perfekt belichten zu können.

Zusammengefasst besteht der CLA aus:

  • Zerlegen der Kamera
  • Reinigen aller Komponenten
  • Schmieren aller relevanten beweglichen Teile
  • Reinigen und justieren des Meßsuchers
  • Einbau neuer Lichtdichtungen
  • Justage auf moderne quecksilberfreie Batterien (falls erforderlich)
  • Funktionstest aller Komponenten
  • Zusammenbau

Ein CLA beinhaltet keine Reparaturen. Wenn Bauteile defekt sind und ausgetauscht oder repariert werden müssen, ist das durch die Leistung eines CLA nicht abgedeckt. Ein CLA ist auch keine Vollrestauration, d.h. die Kamera ist danach nicht in einem kosmetischen Neuzustand. Dafür ist sie technisch wieder ganz vorne 🙂

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