ars-imago Lab-Box

In der Analogen Fotografie sind Neuheiten wie die ars-imago Lab-Box eher selten anzutreffen. Die überwiegende Mehrheit der Bilder von heute werden digital hergestellt, doch Liebhaber der klassischen Fotografie wissen ein Negativ oder Dia noch sehr zu schätzen und das nicht nur, weil auch auf die altmodische Art exzellente Bilder produziert werden können.

Wer sich allerdings den Weg zum Fotolabor sparen will oder generell lieber der eigene Herr über die Entwicklung sein möchte, der braucht ein wenig Ausrüstung. Normalerweise ist das Wechselsack und eine Entwicklungsdose, sowie Mensuren, Chemie, Klemmen, etc. Der Film wird dabei in der Dunkelheit des Wechselsackes – im Blindflug – aus der Patrone gezogen und in die Spule gefädelt. Eine Alternative dazu sind Tageslichtentwicklungstanks, die den Film ohne Wechselsack auf die Spule bekommen. Das ist eine sehr praktische Geschichte.

Die Lab-Box von ars-imago ist eine Neuinterpretation der alten Agfa Rondinax, bei der aber doch etwas an Innovation eingeflossen ist. Die Lab-Box kann nicht nur Kleinbildfilm, sondern auch 120er Film ohne Wechselsack in den Tank befördern. Das macht diesen Entwicklungstank ziemlich interessant. Außerdem ist die Lab-Box aktuell die einzige Tageslichtdose, die man neu kaufen kann.

Ich habe eine gewisse Hassliebe zu meiner Jobo 2400 aufgebaut und es hat lange gedauert, bis ich den Dreh (im wahrsten Sinne des Wortes) heraus hatte, trotzdem bin ich mit ihr glücklich geworden. Und die Lab-Box? Kann sie alles besser?

Chemie dringt bei der Lab-Box bis zur Patrone. Schlecht für wiederbefüllbare Patronen.

Leider nein. Das für mich allergrößte Manko ist, dass die ars-imago Lab-Box nicht geschlossen ist. Man kann mit ihr keine Kippentwicklung machen. Die Jobo 2400 ist wie eine normale Dose aufgebaut, d.h. ich kann während der Kippentwicklung durchs Haus laufen und parallel andere Dinge tun. An dieses „freie“ Entwickeln habe ich mich gewöhnt. Die Lab-Box muss auf einer ebenen Fläche stehen und lässt bei voller Befüllung die Chemie sehr leicht herausschwappen. Der Schlitz ist zudem sehr klein und es dauert recht lange die Chemie zu wechseln. Dabei lässt sich die Flüssigkeit noch recht gut entleeren, aber das Befüllen dauert zu lange.

Man kann entweder 500ml einfüllen und eine intermittierende Entwicklung machen, indem man die Kurbel alle 30 Sekunden dreht, oder mit 270ml durchgehend kurbeln. Es macht überhaupt keinen Spaß 12 Minuten durchgehend an der Kurbel zu drehen. Mir wäre es lieber, die Lab-Box hätte einen verschließbaren Deckel, damit man eine anständige Kippentwicklung machen kann. Die 19,- Euro Kurbel ist offen gesagt: Mist. Der Griff ist nicht gelagert und verkantet sich leicht und macht die Kurbel schwergängig. Gleichzeitig quietscht die Kurbel, was nach einer 10 Min. Entwicklung wirklich nervt.

Die Kurbel funktioniert nur an einer Tischkante, oder wenn man etwas unter die Lab-Box legt.

Bevor man überhaupt soweit ist, will der Film eingespult werden. Es ist etwas fummelig, den Clip an den Film zu bekommen. Noch fummeliger ist es, einen aufgewickelten Film durch den Schlitz des Schneidwerks zu bekommen. Danach will der Film sehr behutsam gekurbelt werden. Dreht man zu schnell kann sich alles verhaken und man steht dann vor der Wahl: Wechselsack oder Film beschädigen. Dreht man langsam, lässt sich der Film aber recht gut auf die Spule ziehen. Ich habe immer über das etwas störrische Aufspulen der Jobo 2400 geflucht, doch gegen die ars-imago Lab-Box flutscht der Film wie von alleine in die Jobo.

Die Öffnung ist einfach zu klein für einen schnellen Chemiewechsel.

Die Summe der Handgriffe, die nötig sind um einen Film durch die Lab-Box zu ziehen, ist viel größer als bei der Jobo. Die allerdings kann aber kein 120er Film. Hier spielt die Lab-Box einen echten Vorteil aus… und verspielt ihn gleich wieder, denn auch hier gibt es viele Handgriffe und einen störrischen Umschalter, bei dem ich immer 4-5x hin und her ruckeln muss, bis die jeweilige Position eingestellt ist. Das Herausfischen des Klebestreifens bevor man den Clip anbringt ist auch so eine Sache für sich. Ich bewerte das mal nicht. Jedenfalls bin ich mit Wechselsack und Standarddose erheblich schneller einen 120er Film aufzuspulen.

Trotzdem ist es schon eine schöne Sache eben keinen Wechselsack zu brauchen.

Die Lab-Box hinterlässt einen gespaltenen Eindruck. Einerseits ist sie ein Universalgerät für die 2 klassischen Filmtypen bei Tageslicht, andererseits hat sie leider sehr viele Macken und Schwächen. In der Form wie sie heute ist, wird sie das Entwicklen bei Tageslicht nicht revolutionieren und es wird spannend sein zu sehen, ob es für das Konzept eine Weiterentwicklung gibt.

Ein weiterer sehr großer Schwachpunkt ist, dass die Filmpatrone mit der Chemie in Berührung kommt. Für jeden, der Filme selbst aus Meterware in wiederbefüllbare Patronen spult, ist die Lab-Box ungeeignet, weil der Filz des Patronenmauls durch die Chemie beschädigt wird. Bei der Jobo 2400 kommt die Patrone nicht mit der Chemie in Berührung. So macht man das!

Der Deckel ist verkantet.

Der Deckel will gleichmässig nach oben gezogen werden. Fehlt es an Gleichmässigkeit, schnellt der Deckel an einer Seite nach oben und verkeilt sich. Es wird sich zeigen, wie lange der Deckel dabei unversehrt bleibt.

Die Lab-Box funktioniert irgendwie, aber irgendwie ist die gesamte Bedienbarkeit einfach nicht gut. Im direkten Vergleich ist eine Jobo 2400 um Welten besser. Aber diese gibt es nicht mehr und die Lab-Box kann Mittelformat.

C-41 ist mit der Lab-Box eine Farce. Die Prozesstemperatur kann nicht gehalten werden und der Chemietausch inkl. der Zwischenwässerung braucht zuviel Zeit. Natürlich kommt ein Negativ zum Vorschein, aber von reproduzierbarer Qualität kann man mit der Lab-Box nicht sprechen.

Die Lab-Box eignet sich recht gut für Einsteiger, die selten und nur SW in fertigen Patronen entwicklen und dabei den Tank komplett füllen. Wer Mittelformat nicht braucht, sollte eindeutig nach einer gebrauchten Jobo 2400 suchen, oder in der Konsequenz sich mit einem Wechselsack anfreunden.

Zum Abschluss: Die bisher entwickelten SW Filme sind gut geworden, also nicht zu beanstanden. C-41 hat nicht gut funktioniert. Mittelformat ohne Wechselsack macht Spass. Als 35mm Tank wird die Lab-Box bei mir nicht mehr zur Verwendung kommen.

21 Comments

  1. Ich habe etwa 30 s/w-Filme (nur 120er) mit der Lab-Box entwickelt. Jetzt begann ein Problem: Der 120er Rollfilm scheint sich beim Einspulen auf die Spirale verkantet zu haben. Jedenfalls hatte er nach dem Entwickeln und Fixieren Knicke an den Rändern. Außerdem aber hat er auf etwa 3-4 folgenden Negativen große milchige Flecken, die nur teilweise entwickelt wurden. Weiß jemand, ob die Flecken davon kommen, dass übereinanderliegende Schichten des Filmes an manchen Stellen auf der Spirale einander berührt haben?
    Ansonsten bin ich mit der Box zufriedener als mit der Dosen-Entwicklung, die ich früher gemacht habe. War mir zu viel Gefummel in der Dunkelkammer beim Einspulen des Filmes (damals Kleinbild). Für eine kurze Antwort wäre ich dankbar.

    • Hallo Hardy,
      meine Lab-Box ist schon lange kaputt, daher kann ich Dir die Frage leider nicht beantworten. Die 120er Filme, die ich damit entwickelt habe, waren OK. Allerdings habe ich 2x das Einspulen abgebrochen und den Film im Wechselsack in eine konventionelle Dose gespult, weil sich der Film in der Lab-Box verkantet hatte. Ich wollte den Film nicht riskieren.
      Gruss, Matz

    • Ich habe das Problem schon von Anfang an. Nehme aktuell wieder meinen Paterson, weil mir meine Bilder wichtiger sind, als die Bequemlichkeit.
      Wäre aber auch an des Rätsels Lösung interessiert.

      Joe

  2. Meine Lab-Box ist ohne mein Zutun gerissen. Von einer Ecke ausgehend einmal diagonal nach unten. Weiters kann ich die negativen Berichte nur bestätigen.
    Danke für die offene Berichterstattung hier.

    Grüße, Peter

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