FED 2

Die Leica M3 mit ihrem kombinierten Meßsucher war gerade das erste Jahr auf dem Markt, als 1955 die FED 2 als deutliche Weiterentwicklung der FED 1 erschien. Dabei trägt die FED im Kern zwar immer noch den gleichen Verschluss wie die FED 1 und eben alle anderen Leica II Kopien in sich, aber alles um den Kern des Rollosatzes herum ist neu. Damit kann man nicht mehr von einer Leica Kopie sprechen. Die FED 2 geht hier konstruktorisch und funktional neue Wege. Das Gesamtpaket der FED 2 ist auch heute noch extrem attraktiv: Hervorragender Meßsucher, butterweiche Bedienung, Diptrienkorrektur und vor allem eine Rückwand, die man öffnen kann. Vorbei ist die Zeit, wo man den Film umständlich anschneiden und in die Kamera “stopfen” musste.

Endlich Standard

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft der FED 2. Im Gegensatz zur FED 1 entspricht das FED 2 Gehäuse endlich dem Leica LTM Standard. Mit einem Auflagenmaß von 28,8 mm und einem gefasten Innenflansch, kann man jetzt beliebige M39 Objektive leicht in die Kamera einschrauben. Es ist da schon etwas schade, dass man diesen Standard nicht auch auf die Objektive angewendet hat, denn bei dem damals serienmäßig mitgelieferten Industar 26m ist das M39 Außengewinde immer noch nicht mit einer Verrundung versehen. Daher lässt es sich teils nur widerwillig einschrauben. Ein Leica LTM Objektiv hingegen, gleitet wie von alleine in die Fassung. Das Problem haben übrigens fast alle KMZ Objektive.

FED 2
Endlich nach Leica LTM Standard: Die M39 Fassung der FED 2

Gewachsen

Im Vergleich zur FED 1 ist das Gehäuse in allen Dimensionen etwas größer geworden, liegt aber immer noch perfekt in der Hand. Während die FED 1 also noch etwas handschmeichlerischer daherkommt, wirkt die FED 2 sehr erwachsen. Gewachsen ist auch der Komfort. Die Kamera lässt sich deutlich leichter aufziehen, als ihre Vorgängerin. Das liegt zum einen an den im Durchmesser gewachsenen Zahnrädern und dem größeren pilzförmigen Transportrad und zu anderen an der neuen Rücklaufsperre. Während bei der FED 1 noch eine Spiralfeder, die um den Transportschaft gewickelt ist, dafür sorgt, dass die Spule sich nicht in die Gegenrichtung drehen kann, setzt die FED 2 auf eine Sperrklinke. Der Vorteil: Man muß nicht mehr gegen den Grundwiderstand der Feder arbeiten. Somit geht das Aufziehen einer gewarteten FED 2 so butterweich und leicht wie bei einer Leica.

FED 2
67mm Abstand gibt es zwischen den optischen Achsen von Meßeinblick und Sucher.

Lange Basis

Das Highlight der FED 2 ist der Meßsucher. Es ist ein echter Meßsucher, der Sucher und Entfernungsmessung in einem Sucher vereint. Mit einer Basis von 67 mm ist er erheblich länger, als bei den alten Leica II Kopien. Durch die ca. 0,7 fache Vergrößerung des Suchers, erhalten wir eine effektive Basislänge von 46,9 mm. Das ist schon ein stattlicher Wert und führt zu einer exzellenten Fokussierbarkeit. Der Sucher selbst ist simpel, aber hochwertig gebaut und verwendet für Sucher und Meßeinblick je ein echtes Prisma. Etwa auf Höhe der Mitte des Objektives sitzt im Meßsucher eine kreisrunde Blende, die für den runden und recht klar definierten Meßfleck sorgt. Zur Kontrastverstärkung ist das Hauptprisma mit einer bläulichen Reflektionsschicht versehen und das Meßsucherprisma mit einer gelblichen. Zusammen ergibt das einen hervorragenden Kontrast und macht den Sucher in einem sehr weiten Helligkeitsbereich perfekt nutzbar.

FED 2
Aufgeräumt und ein schönes wie zeitloses Design

War da noch etwas geplant ?

Wenn man sich den Sucher unter der Haube ansieht, dann stellt man sich intuitiv die Frage, ob da nicht noch eine Rahmeneinspiegelung geplant war. Platz ist reichlich vorhanden und wenn man die einsame Blende im Sucher betrachtet, kann man förmlich sehen, wie an der Stelle ein weiteres Prisma mit Rahmenlinien sitzen würde. Schade, dass man bei FED das nicht noch einen Schritt weiterentwickelt hatte.

FED 2
Der Hebel zur Dioptrienkorrektur lässt sich um 45° verstellen

Dioptrienkorrektur

Wahrscheinlich gab es 2 Ingenieure bei FED von denen der Eine sehr kurzsichtig und der Andere sehr weitsichtig war. Der Einstellbereich der Dioptrienkorrektur ist unglaublich groß und so lässt sich der Sucher auf eine perfekte Schärfe einstellen. Für die Diopter muß man den Sowjets generell ein Lob aussprechen. Bei allen FED und Zorki mit diesem Feature, kann man die Kamera herausragend gut an das eigenen Sehvermögen anpassen.

FED 2
Einfaches Filmwechseln dank abnehmbarer Rückwand

Rückwand, endlich!

Bei aller Liebe zu dem stylischen Design der Leica Meßsucherkameras, aber das Brotdosendesign des Gehäuses ohne Filmfach, das man öffnen könnte, ist in der Praxis unbequem und teils nervig. Muß man doch den Film extra lang anschneiden und gefühlvoll in die Kamera schieben. Schluß damit! Sowas in der Art haben sich wohl die Macher der FED 2 gesagt und der FED ein Gehäuse im Contax Stil beschert, was sich in der Optik immer noch an die FED 1 anlehnt. Dadurch haben wir jetzt endlich eine klassische M39 Kamera, deren Rückwand man komplett abnehmen kann. Das Filmeinlegen ist kinderleicht und ein Anschneiden des Filmanfanges ist nicht mehr erforderlich.

Zurück

Die FED 2 hat viele verborgene technische Änderungen. Eine davon kann man aber auch von außen sehen: Der Auslöser dreht sich beim Aufziehen nicht mehr mit. Auslöser und Kragen sind vom Transport entkoppelt und der Kragen um den Auslösen dient als Rückspulschalter. Durch Drücken und Drehen im Uhrzeigersinn, schaltet man die FED 2 in den Rückwärtsgang.

Blitzen

Ab dem Modell 2b verfügt die FED 2 über einen Syncport für Blitzgeräte. Die Synchronzeit für Elektronenblitze beträgt 1/25 bzw. 1/30 Sek (bei späteren Modellen). In unserer heutigen Zeit, sollte man einfach ein LED Dauerlicht verwenden. Selbst kleine Modelle der 49 LED Klasse, liefern bis zu 2 Blenden mehr Licht, was für viele Anwendungen ausreicht. Ansonsten ist die FED 2 mit der lahmen Synchronzeit leider keine gute Biltzkamera.

FED 2
Bildzähler, Filmmerkscheibe, Zeitenrad und Auslöser der FED 2

GOST

Die FED 2 hat eine Filmmerkscheibe auf dem Transportknopf mit einer Skala, die vielleicht einigen von uns nicht bekannt vorkommt: GOST. GOST ist eine arithmetische, sowjetische Skala, die der ASA Skala recht ähnlich ist. Es gibt dazu Umrechnungstabellen im Netz, aber da es ohnehin nur eine Merkscheibe ist, braucht man da nicht unbedingt das Umrechnen anfangen.

FED 2
Unrestaurierter Originalzustand. Nur ein kleiner CLA war nötig, um die FED 2 zu reanimieren.

Praxis

Kaum eine klassische, voll manuelle und mechanische Meßsucherkameras, hat eine derart große Praxistauglichkeit, wie die FED 2. Sie lässt sich etwas leichter und schneller bedienen, als ein Leica II/III Klassiker und punktet vor allem mit dem hervorragenden Meßsucher. Dazu kommt noch der Umstand, dass die meisten FED 2 aus der Zeit der 1960er Jahre stammen und auf dem Gebrauchtmarkt noch in ganz passablen Zuständen zu finden sind. Sofern der Allgemeinzustand noch gut ist, reicht oftmals eine simple Reinigung ohne große Demontage aus, um die Kamera wieder für den Alltag fit zu machen.

Für die FED 2 gilt also eine uneingeschränkte Empfehlung 🙂

Tip

Zusammen mit einem Jupiter 3 50mm 1:1.5 hat man die volle fotografische Sowjetpower in der Jackentasche.

FED 2
Eine wundervolle Alltagskamera für Freunde des klassischen Meßsuchers: Die FED 2 mit dem serienmäßigen Industar 26m in silber.

Die Fakten

  • Tuchschlitzverschluss, horizontal ablaufend
  • 1/25, 1/50, 1/100, 1/250, 1/500 und B (später mit internationaler Teilung 1/30, etc.)
  • Blitzsynchronisation für Elektronenblitze bei unterster Verschlusszeit (1/25 oder 1/30)
  • gekuppelter Mischbildentfernungsmesser 0,7x
  • Dioptrienkorrektur
  • Bildzählwerk manuelle Rückstellung
  • Filmmerkscheibe mit GOST Skala
  • Trageösen
  • Stativgewinde
  • Drahtauslöseranschluß
  • Zubehörschuh auf der Deckkappe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.