Fed 1 – Die erste Fedka…

…und die Schönste der Leica Kopien. Wer eine Fed 1 erwischt, die wirklich noch funktioniert, der hat eine zuverlässige und sehr gut verarbeitete Schraubleica zur Hand, doch funktionierende Fed sind selten. Und so könnte dieser Beitrag auch das Thema Vorsicht eBay behandeln, denn was sich der Verkäufer meiner Fed geleistet hat, war schon eine absolute Frechheit. Doch dazu gleich mehr. Schauen wir uns lieber ersteinmal diese wunderschöne, restaurierte Kamera an.

Die originale Fälschung

Das könnte man so sagen, denn die Fed 1 ist eine Kopie der Leica II und dabei aber eine sehr gute. Alle Teile sind perfekt gearbeitet, eingepasst und verarbeitet. Auch wenn die Fed 1 der Konstruktion nach also eine eher simple Kamera ist, so funktioniert sie doch perfekt. Es gibt sogar Kleinigkeiten, die besser sind als im Original: Der Auslöser liegt höher als bei der Leica und lässt sich viel besser ertasten. Bei der übrigen Ergonomie ist die Fed 1 eine typische Schraubleica, die mit einem kompakten Gehäuse und einer guten Taschenfreundlichkeit punktet.

Fed 1
Fed 1 mit Elmar 1:3.5 50mm Kopie – restaurierter Zustand

Die Fakten

  • Tuchschlitzverschluss, horizontal ablaufend
  • Verschlusszeiten 1/25, 1/50, 1/100, 1/250, 1/500 und B
  • M39 Schraubgewindeanschluß
  • gekoppelter Mischbildentfernungsmesser 1:1, Basislänge 37,5mm
  • separates Sucherfenster für 50mm Objektive (ohne Rahmenlinien) ca. 0,6x
  • manuelles Bildzählwerk
  • Rückspulhebel und Drehknauf
  • Stativgewindeanschluß in Bodendeckel
  • Drahtauslöseranschluß
  • Zubehörschuh
  • Modell G (FED 1g) Baujahr 1953

Der Weg zur benutzbaren Fed 1

Die eBay Anzeige war verlockend: Sehr guter und funktionsfähiger Zustand, löst aus. Das waren die wenigen Worte der Anzeige und der Preis war relativ niedrig. Hätte ich meinen eigenen Beitrag gelesen, hätte ich die Kamera so nicht gekauft, aber insgeheim habe ich ohnehin keine Superkamera erwartet. Über den Haufen Schrott, den ich geliefert bekam, war dann doch erzürnt.

Fed 1
Von wegen guter Zustand: Die Mechanik ließ sich nur mit Gewalt bewegen. Beide Tücher sind gerissen; Viel Korrosion und Patina. Eine bodenlose Frechheit, so etwas als sehr gut und funktionsfähig zu verkaufen.

Vollrestauration

Ich habe nicht lange überlegt: Ich hatte schon viele Zorki und Fed in der Werkstatt und allesamt waren diese Kameras eigentlich unbrauchbar. Ich wollte schon immer mal eine Zorki oder Fed komplett restaurieren, um mir ein Bild vom neuwertigen Zustand zu machen. Also: Alles zerlegen (wirklich alles) und dann ab ins Ultraschallbad. Nach 1 Stunde im Multifrequenzbad, lachten mich nahezu neuwertige Bauteile an. Eine perfekte Basis für einen Neuaufbau.

Die Tücher

Normalerweise greife ich zu einem fertigen Verschlusstuchmaterial, wenn ich Verschlusstücher austausche. Bei dieser Fed 1 habe ich aber einen neuen Weg beschritten: Ich habe die Verschlusstücher vollständig selbst hergestellt. Nach vielen Experimenten habe ich ein Verfahren erarbeitet, mit dem ich perfekt lichtdichte und 100% authentische Tücher herstellen kann, die sogar noch ein wenig leichter sind, als die Originalen (bei gleicher Dicke).

Verschlusstuch Herstellung

Gummieren des Trägerstoffes. Hier ist viel Gefühl und ein 100% gewissenhaftes und exaktes Auftragen des Gummis erforderlich, um eine perfekte Schichtdicke herzustellen.

Verschlußtuch Rohling

Nach dem Trocknen können die Rohlinge auf das passende Maß geschnitten werden.

Fed 1

Zum Schluß werden die Tücher auf die Rollos geklebt. Maßhaltigkeit und Gewissenhaftigkeit sind hier unbedingt erforderlich, damit der Verschluß am Ende perfekt abläuft.

Lohn der Mühen ist ein Verschluss, der auf den Punkt korrekt belichtet und vollkommen lichtdicht ist.

Fed 1
Das Herz der Fed 1: Der restaurierte Verschluss mit den Tüchern made by Lichtgriff 🙂

Alles frisch

Es ist immer wieder ein tolles Gefühl eine vollrestaurierte Kameras zum ersten Mal zu benutzen. Durch die sauberen und frisch geschmierten Teile, bewegt sich alles ganz leicht als auch geschmeidigt und der Verschluss läuft kaum hörbar ab. Und erst jetzt lässt sich die Qualität einer Fed 1 erfahren. Sie steht einer restaurierten Leica in nichts nach. In den Messungen feuert die Fed 1 auf allen Zeiten die absolut richtige Verschlusszeit. Der Sucher ist hell und klar, der Meßfleck perfekt zu erkennen.

Fed 1
Wie neu: Fed 1 nach der Restauration

Der Meßsucher

Wie bei der frühen Leica Konstruktion üblich, gibt es 2 Fenster. Links außen – von hinten gesehen – ist der eigentliche Meßsucher und rechts daneben ein Sucherfenster, das das Sichtfeld eines 50mm Objektivs simuliert. Das Sucherfenster verkleinert die Wirklichkeit, bzw. vergrößert ca. um den Faktor 0,6. Der Meßsucher bildet 1:1 ab und hat eine Basis von 37,5mm (effektiv = physikalisch), zeigt aber nur einen kleinen Bildausschnitt. Dieses Suchersystem hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist sehr kompakt gebaut und verhilft der Fed 1 zu ihren kleinen Abmessungen. Umbestreitbar ist der Sucher einer M3 deutlich besser erkennbar, aber das Suchersystem der M3 macht die Kamera auch deutlich größer. Aber: Die Erkennbarkeit und der Kontrast des Meßflecks sind exzellent und so lässt sich die Fed 1 auch in sehr dunklen Umgebungen hervorragend fokussieren. (wie gesagt: Ich beschreibe hier den Sucher einer restaurierten Fed). Eine Schwäche hat der Meßsucher, wenn er nicht perfekt sauber ist: Er ist sehr empfindlich für Gegenlicht. Bei alten FED 1 ist daher eine Reinigung zwingend notwendig. Der Sucher für die Bildkomposition hat einen Rahmeneinsatz für 50mm im Inneren. Ohne den Rahmen sieht man ca. den Ausschnitt eines 45mm Objektives.

Präzision und Lautstärke

Auch wenn Genauigkeit nicht immer die Paradedisziplin von FED und Zorki gewesen ist: Bei den FED 1, die ich bisher bearbeitet habe, war die Präzision der Teile sehr gut. Toleranzen liegen meist im 1/10 bis 1/100 mm Bereich. So kommt es dann auch, dass ein exakt justierter Verschluss eine sehr gute und gleichmäßige Geschwindigkeit der Verschlussvorhänge ermöglicht. Maßhaltige Lagerbuchsen an den Rollos und eine gute Schmierung sorgen für eine leisen Ablauf der Rollos. Hier punktet die FED 1 vor vielen späteren Modellen, bei denen sich durch zu viel Spiel an den Lagerbuchsen ein subtil kreischendes Geräusch während des Ablaufs einstellt.

Tiefenreinigung

Die Wirkung eines intensiven Ultraschallbades ist schon verblüffend: Die Patina ist von allen Chromteilen gewichen und die Teile erstrahlen in ihrem originalen Glanz. Einigen nicht ganz so schönen Teilen habe ich mit einem Chrombad nachgeholfen. Diese Fed 1 ist jetzt endlich wirklich in einem sehr guten Zustand.

Matz FED 1

Das obligatorische Spiegelselfie mit der frisch restaurierten Fed 1 und dem 1:3.5 50mm, was an der Kamera befestigt war. Sind die FED und ihr Objektiv richtig justiert, was bei der FED nicht ganz leicht ist, ergeben sich sehr scharfe Bilder

Das Objektiv ist der kleine Schwachpunkt der ganzen Angelegenheit. Es bildet zwar sehr scharf ab, aber es ist sehr empfindlich für Gegenlicht. Aber: Es verleiht der Kamera ein authentisches Aussehen und macht die FED zu einer flachen Begleiterin für die Jackentasche.

Handling und Praxis

Hier gilt alles, was auch für eine Leica II/III gilt. An eine Schraubleica muß man sich etwas gewöhnen, wenn das Konzept für einen neu ist, aber die Bedienung geht mit etwas Übung sehr flott. Das Filmeinlegen geht sogar etwas einfacher, als beim Original. Warum genau das so ist, kann ich nichteinmal genau sagen, aber der Film stellt sich weniger bockig beim Einschieben an, als man das von der Leica gewohnt ist. Das ist für den Einsteiger durchaus ein Pluspunkt.

Wichtig!

Die FED 1 hat ein kleines Konstruktionsproblem. Sie hat keine Lichtbarrieren im Verschlussgehäuse. Dadurch kann sich Licht den Weg zur Stachelwalze bahnen und es gibt Lichtlecks, die später am oberen Rand des Negativs – meist zwischen den Frames – sichtbar werden. Aus diesem Grund sollte stets ein Objektivdeckel aufgesetzt werden, wenn die Kamera nicht benutzt wird. Am besten sofort nach einer Aufnahme.

Kaufen?

Die Frage aller Fragen und nicht leicht zu beantworten. Die allermeisten Fed und Zorki, die ich bisher gesehen habe, waren leider schrottreif. Das war bei dieser hier nicht anders. Man darf daher nicht die Erwartung haben, beim Kauf einer Fed eine funktionierende Kamera zu bekommen. Es kann also am Ende recht teuer werden, wenn man mit seiner Fed richtige und schöne Bilder machen will.

Objektive

Hier wird es etwas schwierig. Man sollte eine Fed 1 immer mit dem originalen Objektiv kaufen. Das liegt daran, dass je nach Typ und Baujahr das Auflagenmaß der Fed an das Objektiv angepasst wurde und so die Fed nur mit dem originalen Objektiv richtig scharfstellt. Man kann das alles korrigieren, aber das ist ohne Messeinrichtung zuhause nicht ganz einfach. Außerdem passen nicht alle Leica oder KMZ Linsen problemfrei an die Fed. Das fängt bei dem 90° versetzt gefrästen M39-Gewinde mancher Fed Modelle an und hört bei der Meßsucherkupplung auf. Ein Jupiter 8 lässt sich sehr gut an der Fed verwenden. Allerdings kann es erforderlich sein, die Shims des Jupiter 8 anzupassen, damit es auf den Punkt genau fokussiert. Eine Universal-M39-Kamera ist die Fed leider nicht.

Auflagenmaß

Als weitere Vertiefung zum Thema Objektive, will ich hier noch ein paar Fakten zum Auflagenmaß der FED 1 teilen, da es hier scheinbar einiges an Verwirrung gibt. (Alle Daten sind Messwerte aus der Werkstatt)
Der Leica Standard für M39 Kameras beträgt 28,8 mm. Das ist das Maß von der Oberkante der Fassung bis zur Filmebene. Man nennt das auch Auflagenmaß. Bei den FED 1 gibt es 2 Varianten:

  • M39 Fassung mit unbestimmten Gewindeanfang und einem Auflagenmaß von ca. 30,6mm
  • M39 Fassung mit genormten Gewindeanfang und einem Auflagenmaß von ca. 29,8mm

Der unbestimmte Gewindeanfang bedeutet, dass der Anfang des Gewindes nicht immer an der gleichen Stelle im Verhältnis zu den Befestigungslöchern anfängt, sondern einfach irgendwo. Zu dieser Fassung gibt es immer genau ein passendes FED 3.5 Objektiv. Diese Fassung wird durch Papiershims (das sind Unterlegstreifen aus Papier) nur in der Lage korrigiert, damit an allen 4 “Ecken” das gleiche Auflagenmaß eingestellt ist. Das effektive Auflagenmaß spielt damit keine Rolle, da die Kollimation nur am Objektiv einjustiert wird. Diese Variante kann höchstens durch Zufall als M39-Kamera verwendet werden.

Bei den M39 konformen FED 1 findet man an der Fassung eine kleine Kerbe wie bei Leica Kameras. Hier ist das Gewinde so gefräst, dass es immer an der gleichen Stelle anfängt. Dadurch zeigt bei dieser Fassung die Skala eines beliebigen (nicht FED 3.5) M39 Objektives immer nach oben. Gleichzeitig hat diese Variante ein etwas geringeres Auflagenmaß, aber eben immer noch nicht den Leica Standard. In der Restauration lässt sich bei manchen FED 1 dieser Variante aber das Auflagenmaß auf 28,8 mm reduzieren. Dabei werden die Shims entfernt und der Sitz der Fassung im Gehäuse auf Maß gefräst.

Kommt es auf den Millimeter an?

Absolut ja. Es kommt sogar auf den 100. Millimeter an. Diese Maßhaltigkeit bestimmt entscheidend darüber, ob die Kombination aus Kamera und Objektiv wirklich scharf abbilden kann. Daher macht es bei der ersten Generation der FED und Zorki immer Sinn, Kamera und Objektiv aufeinander abzustimmen.

17 Comments

  1. Moin Matz,
    ich besitze eine sehr schöne Fed1, die leider ein Problem hat. Bei 1/500 bleibt oft der Verschluss stehen. Bis 1/250 ist alles gut. Hast Du einen Tip, was das sein kann?
    Lorenz

    • Moin Lorenz,
      wenn er wirklich stehenbleibt, also nicht einfach nur geschlossen abläuft, weil die Rollspannung nicht stimmt, dann ist wahrscheinlich die Bügelfeder verschlissen oder beschädigt und müsste getauscht werden. Man müsste sich die Kamera natürlich ansehen, um das genau beurteilen zu können.
      Gruß, Matz

        • Grundsätzlich ja, aber mit Terminen sieht es bis Ende des Jahres schon schlecht aus. Wenn Du mir ab Oktober eine Nachricht schickst, kann ich mal versuchen etwas zu planen. Schicke mir am besten eine Nachricht über die Kontaktseite oder noch besser via Instagram.
          Gruß, Matz

  2. Habe eine generalüberholte Fed 1 gekauft. Bilder sind alle rechts dunkler als links. Bitte um eine Erklärung.
    mfG, W. Kampmann

  3. Hallo Matz,
    bei meiner Fed 1g geht irgendwie der Filmtransport nicht richtig. Ziemlich oft nimmt er den Film nicht mit. Rückspulen geht ziemlich schwer.
    Kann man da noch was reparieren ?
    Liebe Grüße, Michael

    • Hallo Michael,
      die Friktion der Spule muss korrekt eingestellt werden. Die Friktion ist gut, wenn Du mit mäßigen Druck auf die Spule die Spule festhalten kannst, während Du den Filmtransport drehst.

      Es gibt eine Reihe von möglichen Probleme, die ich Dir aber hier im Detail nicht beschreiben kann. Bei Problemen kannst Du gerne eine Nachricht senden.

      Gruss, Matz

  4. Hallo Matz,
    ist es wirklich möglich die FED 1 so geschmeidig wie eine Leica zu machen? Ich hatte 2 FED in Berlin bei einem Laden zur Reparatur und finde, daß beide jetzt noch ruppiger laufen als vorher.
    Greets, Nataniel

    • Hallo Nataniel,

      ob das geht hängt natürlich in erster Linie vom Gesamtzustand und ob Du ein Reparatur oder eine Restauration machen lässt. Durch eine Restaurierung bekommst Du in jedem Fall eine Geschmeidigkeit auf Leica Niveau. Ich kann Deine Reparatur aus der Ferne nicht beurteilen, aber ruppig sollte die FED definitiv nicht laufen. In meiner Werkstattpraxis sehe ich es immer wieder, dass bei diesen Kameras die Rollospannung zu hoch eingestellt wird. Das machen manche “Reparateure”, um die schwergängige Mechanik auszugleichen. Ist bei der FED die Rollospannung zu hoch, merkt man das recht einfach an 2 Dingen: 1. Der Filmaufzug läuft relativ stramm und “knattert” auf den letzten Zentimetern und 2. Der Auslöser muss mit Kraft gedrückt werden, weil es scheint als würde er an etwas reiben (was er auch tut). Wenn Du sowas bei Deiner Kamera feststellst, dann benutze Sie auf keinen Fall weiter und lass den Verschluss überholen. Zu hohe Rollospannung führt bei den mutmaßlich alten Verschlusstüchern ziemlich schnell zum Reißen der Tücher. Du musst die Kamera ohne nennenswerte Kraft zwischen Daumen und Zeigefinger aufziehen können. Ist das nicht der Fall, ist die Kamera nicht in Ordnung.
      Gruss, Matz

      • Dank Dir für die ausführliche Antwort. Ich denke mal 1 und 2 treffen voll zu. Toll dass Du diese Website hast und diese Kameras reparierst. Ich mach das jetzt so, daß eine zu Dir zum Restaurieren geht und die andere nochmal zum Laden vor Ort. Dann wird verglichen 😀
        Greets, Nataniel

        • Servus Nataniel, meine Zorki 1 war letztes Jahr bei Matz im Service und kam im Traumzustand wieder zurück. Sie hat eine komplette Revision mit neuen Vorhängen erhalten und wurde dadurch viel leiser und ganz smooth im der Bedienung.
          Grüße, Jo

  5. Mein Kompliment für diesen schönen Beitrag, der jetzt noch mehr Appetit auf eine FED 1 macht.
    Könnte ich denn meine FED 1 zu Ihnen zur Restauration einsenden? Es wären 2 Stück, wovon eine als Ersatzteilträger verwendet werden könnte. Besonders die authentischen Verschlusstücher interessieren mich.

    Viele Grüße,
    S. Hermann

    • Hallo Herr Hermann,
      wenn Sie über die Kontaktseite eine Nachricht schicken, können wir gerne einen Termin zur Restaurierung planen.

      Gruß, Matz

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