Konica Auto S – Best Practice

Immer wieder mal kommen Fragen zu Problemen mit der Konica Auto S Serie. Ganz vorne dabei ist das Problem der Fehlbelichtungen im Automatikmodus und deswegen kommen hier ein paar Tips zum Umgang mit der Konica Auto S, Konica Auto S2, Konica Auto S1.6 und Revue Auto S22.

Im Automatik oder EE Modus (EE steht für Electric Eye, eine damals gebräuchliche Bezeichnung für die CdS Zelle), kann es zu fehlbelichteten Bildern kommen. Dieses Phänomen kann man nicht einmal sinnvoll abstellen und es kommt nicht wirklich sehr oft vor, doch man kann sich davor schützen. Die Auto S Serie bewegt die Blende im A Modus an die richtige Position durch die Kraft, die auf den Auslöser wirkt. Ist das Foto gemacht, geht die Blende durch das Spannen des Verschlusses wieder vollständig auf. Beim nächsten Auslösen beginnt das Spiel von vorne und die Blende bewegt sich linear in die Position, die die Belichtungsmessung bestimmt.

Nach dem Auslösen befindet sich keine gespeicherte Energie mehr im Verschluss- und Blendensystem. In diesem Zustand lassen sich auch alle Bedienelemente am leichtesten bewegen. Man muss sich bei einer mechanischen Kamera bewußt sein, dass die Kraft, welche die Mechanik antreibt zum einen einen Ursprung haben und zum anderen gespeichert werden muss. Als Speichermedium dienen bei der Kamera schlicht und einfach Federn. Da eine Feder ihre gespeicherte Energie am liebsten sofort wieder abgeben würde, hindert die Mechanik der Kamera sie mit der Hilfe von Sperrklinken und Hebeln daran.

Jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Eigenheiten der Konica Auto S Serie ins Spiel kommen. Die Kamera hat an der Rückseite der Blendeneinheit einen bogenförmigen Hebel, der fast den halben Umfang des Objektives umspannt. An seinem oberen Ende ist er mit der Welle verbunden, die die Blende antreibt. An der unteren, fast gegenüberliegenden Seite, ist der Kontaktpunkt zum Blendensteller, der wiederum durch den Auslöser bewegt wird. Dieser Steller ist in seinem Stellweg mechanisch durch den Belichtungsmesser begrenzt. Simpel, aber wirkungsvoll. Die Länge des oben erwähnten Hebels aber, ist problematisch. Er ist relativ dünn, flach und aus Messing gefertigt. Dadurch biegt er sich unter Druck gerne aus seiner eigentlichen Position heraus und verhakt sich mit dem Auslösemechanismus, an dem er dicht vorbeigeführt ist. Zusätzlich ist er mit der Blendenwelle durch eine Schraube verbunden. Diese Verbindung kann sich lösen bzw. verstellen, wodurch der Hebel seine Endposition verändert. Das alles zusammen kann dazu führen, dass die Blende sich nicht korrekt bewegt, wenn man im gespannten Zustand von A auf M und wieder zurück auf A wechselt.

Zugegeben: Das war viel Text, um auf den Punkt zu kommen, verdeutlicht aber hoffentlich das Problem. Übrigens: Die Beschreibung der Funktionsweise ist stark vereinfacht und in einem Detail nicht korrekt. Das ist Absicht und soll vermeiden, dass der Text erheblich länger wird.

Die Lösung ist recht simpel: Man sollte sich bei der Konica Auto S Serie angewöhnen, nach dem Auslösen nicht gleich wieder den Transport zu benutzen, sondern die Kamera entspannt zu lassen. In diesem Zustand kann man sich auf das nächste Bild vorbereiten und natürlich auch durch den Blendenmodus bewegen, ohne dass eine Belastung auf der Mechanik liegt. Fehlbelichtungen der Automatik werden dadurch wirkungsvoll vermieden.

Wenn die Konica im Automatikmodus ausgelöst und nicht wieder gespannt wurde, sollte man den Auslöser nicht drücken (vorallem nicht kräftig!). Unser Problemhebel geht dann nämlich in die Wartungsstellung. Die Wartungsstellung ist das, was ich oben bewusst weggelassen habe und ich will dazu nur soviel erklären: Die Objektiveinheit kann im Service mit dem montierten Blendenhebel nicht ein- und ausgebaut werden und als Laie sollte man das niemals mit Gewalt machen. Konica hat sich daher diese Wartungsstellung einfallen lassen, mit der man den Blendenhebel in der untersten Position fixieren kann. Zum Fixieren dient eine Feinverzahnung am Verschlussauslöser. Die Wirkungsweise ist dabei ähnlich einem Kabelbinder. Je mehr Druck auf dem Auslöser, desto mehr Zug auf dem Hebel.

Jetzt wisst ihr also, wie man die Objektiveinheit einer Auto S korrekt ausbaut und wollt ab jetzt auch nicht mehr den Auslöser in A drücken, wenn der Verschluss nicht gespannt ist.

Zusammengefasst:

  • Verschluss möglichst immer entspannt lassen
  • Transport nur betätigen, wenn man ein Bild schiessen möchte
  • Wechsel von M auf A möglichst nur, wenn Verschluss nicht gespannt ist
  • Den Auslöser nicht drücken, wenn der Verschluss entspannt ist
Konica Auto S1.6 – Das letzte Modell der Baureihe.

Übrigens: Die Konstruktion ist bei dem Kompakten Meßsuchern einzigartig. Schon bei der C35 aus dem Jahr 1967 hat Konica eine neue Konstruktion verwendet, die die Unzulänglichkeiten des zu langen Hebels abstellt. Die Auto S Serie wurde aber bis ins letzte Produktionsjahr 1971 unverändert gebaut. Die Canon Canonet hat an der Objektivrückseite eine vergleichbare Anordnung der Wellen, verwendet aber eine Kaskade von Umlenkhebeln und vermeidet damit den einen übergroßen Hebel der Auto S. Allerdings ist die Teileliste der Canonet fast doppelt so lang, wie die der Canonet.

2 Comments

  1. Ich hätte eine Frage: Wenn ich meine Konica Auto S2 von der Auto Stellung auf eine manuelle Blende stelle, blockiert der Auslöser. Erst nach etwas Schütteln, geht der Auslöser wieder. Woran kann das liegen?

    • Hallo Fabian,
      das liegt an einer kleinen Feder, die ausgehakt ist. Das das Schütteln das Problem löst, liegt daran, dass die Feder einen Sperrhaken festhält, der jetzt lose ist. Es würde reichen, die Kamera von hinten gesehen nach links zu kippen. Die Reparatur ist relativ simpel, erfordert aber den Ausbau der Objektiveinheit. Du kannst gerne über die Kontaktseite eine Nachricht schicken.
      Gruss, Matz

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