Konica IIIa – Praxis

Die Konica IIIa ist besonders in der Version mit dem Hexanon 50mm 1:1.8 eine sehr inspirierende Kamera. Sie ist ästhetisch auf der einen Seite und ein herausragendes Handwerkszeug auf der anderen. Konicas Hexanon Festbrennweiten zählen zu den jeweils besten Optiken ihrer Zeit. Allerdings ist das Handling nicht immer ganz so problemfrei, wie es vielleicht scheinen mag. Daher kommen hier ein paar hilfreiche Praxistips.

Das Filmeinlegen.

Für alle, die ihre Filme selbst konfektionieren sei als erstes gesagt: Der Filmanfang muss angeschnitten werden. Am besten so, wie man es von fertig konfektionierten Kleinbildfilmen kennt. Das wiederum liegt an dem Folgenden: In den Schlitz der Aufwickelspule stecken reicht nicht. Es kann reichen, aber zu 50% rutscht der Film nach den ersten 2-3 Transporten wieder heraus. Damit das nicht passiert ist es wichtig den Film komplett durch die Aufwickelspule zu schieben. Er sollte am gegenüberliegenden Schlitz mind. 2cm herausgucken.

Als nächstes wird der Film durch die Rückspulkurbel gestrafft und danach wird bei offener Rückwand der Film transportiert, bis der Filmanfang sich 1x um die Spule gewickelt hat.

Die Rückwand wird jetzt geschlossen und nun wird es ganz wichtig: Der Verriegelungsknauf am Bodendeckel wird auf C gedreht! Es ist immer wichtig, genau das nicht zu vergessen. Die Rückwand schnappt zu und ist lichtdicht, aber ohne die Verriegelung, kann die Rückwand beim Abstellen der Kamera auf eine ebene Fläche einfach aufspringen. Besonders wenn der Film schon fast voll ist, ist das mehr als nur ärgerlich (und ja: das ist mir schon 2x passiert).

Ist die Rückwand verriegelt, sollte man durch den noch ausgeklappten Rückspulkurbel kontrollieren, ab sich dieser beim Filmtransport mitdreht. Wenn ja, ist alles OK. Wenn nicht, geht es wieder zurück zum Anfang.

Der Filmtransport.

Der Filmtransporthebel neben dem Objektiv wird 2x betätigt, um den Film um 1 Bild zu transportieren. Nach dem ersten Betätigen ist bereits der Verschluss gespannt. Wer möchte, der kann jetzt schon den kleinen silbernen Hebel unterhalb des roten Sync-Mode Schalters betätigen. Der Verschluss wird sofort ausgelöst. Beim 2. Betätigen wird der Film ein weiteres halbes Bild bewegt und der Verschluss wieder gespannt. Nach dem 2. Betätigen muss der Auslöseknopf gedrückt werden, sonst bleibt die Transportsperre aktiv.

In der Praxis wird man das wohl nicht freiwillig machen… Es sei denn, man kommt auf die Idee aus schwarzen Karton eine Halbrahmen-Maske zu schneiden und in das Filmfach zu kleben. Sitz die Maske rechtsbündig ausgerichtet, kann man mit der Konica IIIa im Hochkant-Halbformat aufnehmen.

Ist das Foto gemacht, sollte der Transport erst dann wieder verwendet werden, bevor man das nächste Bild aufnehmen will. So ist in der Ruhephase keine Energie im Verschluss gespeichert und es besteht auch nicht die Gefahr, dass man versehentlich auslöst.

Der Sync-Mode Schalter.

Es kann vorkommen, dass man versehentlich bei Einstellen von Verschluss und Blende den Schalter bewegt und er zwischen zwei Einstellungen stehenbleibt. Dabei kann es passierten, dass der Verschluss nicht mit der gewünschten Zeit abläuft, oder er blockiert eventuell beim Filmtransport. Daher ist es wichtig sicherzustellen, dass der kleine Hebel immer auf einen der 3 Modi zeigt.

Der Meßsucher.

Hier gibt es eigentlich nur eines: Immer schön gerade durch den Sucher schauen. Es kann durchaus sein, dass das Sucherblid vertikal verschoben erscheint. Je nach Reflexion auf dem Teilspiegel kann das aber ein Trugbild sein. Man sollte daher seine Blickrichtung kontrollieren. Ist das Mischbild dann wieder korrekt, kann man sich sicher sein, dass es nicht am Meßsucher gelegen hat.

Das Objektiv mit Zentralverschluss der Konica IIIa

Die EV Koppelung.

Im Originalzustand, ist die Blende über den EV Ring an die Verschlusszeit gekoppelt. Das ist Fluch und Segen zugleich. Bei vielen Konica IIIa wurde diese Koppelung bereits ausgebaut. In diesem Fall ist der EV Ring ohne echte Wirkung und sollte grundsätzlich auf 12 eingestellt sein. An den Enden des EV Einstellbereiches ist die Blende begrenzt und das wollen wir im koppelungsfreien Zustand schließlich nicht.

Ist die Koppelung noch vorhanden, würde ich persönlich immer dazu raten, sie auszubauen.

Ist die Koppelung entfernt, gilt eine gewisse Vorsicht. Lässt sich der Silberne Ring direkt vor dem Verschlusszeitenring etwas verdrehen, dann wurde beim Ausbau der Koppelung oder Wartung des Verschlusses etwas beschädigt. Der vordere Haltetubus der Objektiveinheit wird von einem Sperrring gehalten, der mit einer asymmetrischen Schraube gesichert ist. Diese Schraube ist aus Messing und geht sehr schnell kaputt. Um an diese Schraube zu kommen, muss die Frontlinse herausgedreht werden und hier kommt das Problem, wofür auch die Kamerawerkstatt nichts kann: Nach so vielen Jahren kann es sein, dass die Frontlinse bombenfest sitzt. Jetzt heißt es Sekt oder Selters: Will ich den Verschluss warten, muss die Linse heraus. Ab einer gewissen Kraft, schert die Messingschraube beim Herausdrehen der Frontlinse ab. Das ist leider nicht zu ändern. Danach hat der Frontring Spiel und kann sich sogar lösen. Diese Schraube zu ersetzen ist nicht trivial und oftmals wurde die Schraube später einfach weggelassen. Das kann man sogar machen, weil die Frontlinse den Tubus in gewissen Grenzen festklemmt. Das Problem ist nur: Sitzt die Linse noch an der korrekten Stelle, um ein scharfes Bild zu produzieren? Das kann man nur ausmessen und ggf. in der Werkstatt korrigieren. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass es hier ein Problem geben könnte. Die Konica IIIa macht in beiden Objektivversionen extrem scharfe Bilder. Ist das beim eigenen Exemplar nicht so, sollte man nachforschen. Ein Tip: Wenn die Verschlusszeiten nicht exakt bei ihrer Beschriftung einrasten, steht der Frontring falsch. Das ist ein wichtiges Indiz für die beschädigte Arretierschraube.

Das Filmende.

Der Film ist vollgeknipst, oder eben fast und es nähert sich das letzte Bild. Durch den Doppeltransport hat die Konica IIIa sehr viel Kraft auf dem Transportmechanismus, was schnell dazu führt, dass am Ende der Film entweder aus der Patrone reisst, oder einfach nur beschädigt wird. Daher ist es sehr wichtig, den Transport zum Filmende hin nur sanft zu betätigen. Sowie ein Widerstand einsetzt, sollte man den Hebel loslassen und den Film zurückspulen.

Übrigens: Die Konica IIIa ist ein „Falschwickler“, d.h. der Film wird gegen die Wickelrichtung in der Filmpatrone auf die Aufnahmespule gewickelt. Der Film sollte zügig belichtet werden und vor dem Aufspulen in die Entwicklungsdose einige Zeit in der Filmpatrone ruhen. Das erleichtert auf Aufspulen deutlich.

Pflege.

Die Konica IIIa braucht verhältnismäßig wenig Pflege. Der Meßsucher ist sehr gut gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und braucht nur gelegentlich äußerlich gereinigt werden. Das Objektiv bzw. die Verschlusseinheit ist alles andere als dicht, sodass recht einfach Staub und Feuchtigkeit eindringen können. Sehr staubige Umgebungen sollten vermieden werden und wenn es nicht anders geht, sollte die Kamera regelmäßig mit einem Blasebalg abgepustet werden. Aggressive Reinigungsmittel haben bei der Pflege der Kamera nichts verloren. Ebensowenig darf der Verschluss bzw. die Hemmwerke mit Öl behandelt werden. Der Ölfilm kann die Friktion einzelner Bauteile so verändern, dass die Verschlusszeiten zu langsam werden.

Ungereimtheiten?

Manches an der Konica IIIa könnte vermuten lassen, dass etwas in der Kamera nicht stimmt. Keine Angst, denn Manches muss einfach so sein. Dazu zählt zum Beispiel das leichte Klappern im Inneren, wenn man die Konica IIIa schüttelt. Es gibt Bauteile im Inneren, die gewolltermaßen gewisse Toleranzen zueinander haben und somit ein Klappern zu hören ist. Wahrscheinlich hat das die Menschen bis in die 70er Jahre eher weniger gestört 😉 Auch gerne zu Irritationen führt das Umschalten auf die 1/500 Sek. Man spürt einen deutlichen Widerstand, wo hingegen alle anderen Verschlusszeiten butterweich einzustellen sind. Das muss so sein und hat einen einfachen Grund: Bei der 1/500 Sek. wird das Hemmwerk für die schnellen Verschlusszeiten zwischen 1/30 und 1/250 Sek. mechanisch abgekoppelt und dafür muss der Kurvenring einen etwas rustikaleren Hebel bewegen. Ein weiterer Klassiker zum Schluss: Hilfe, die Verschlusszeit ist viel zu langsam! Man drück gemächlich den Auslöser und man hört einen Klick und kurze Zeit später wieder einen Klick. Beide Klicks klingen gleich und legen die Vermutung nahe, die Verschlusszeit sei viel zu langsam. Aber dem ist gar nicht so. Der erste Klick ist der Verschluss und der zweite Klick ist der zurückspringende Auslöseknopf. Es ist kurios, dass beide Klicks gleich klingen, aber es ist einfach so 🙂

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