Konica IIIa (1958) – Der besondere Meßsucher

Die Geschichte der Kleinbildkamera ist untrennbar mit dem Meßsucher verbunden, war doch die erste Kamera, die Fotos auf 35mm Kinofilm belichtete, Oskar Barnack’s Lilliput, die wir heute unter dem Begriff Leica kennen. Bis das Konzept der Spiegelreflexkamera seinen Siegeszug antrat, wurden fleissig Meßsucherkameras entwickelt, gebaut und äußerst erfolgreich verkauft. Dabei legte die Leica M3 als erste Nachkriegsleica die Messlatte auf eine neue Höhe. Die deutsche Kameraindustrie war zu jener Zeit ein Vorbild für alle Kamerahersteller weltweit und vor allem in Japan ließ man sich von den Errungenschaften aus dem Hause Leica inspirieren. Gerne wird den Japanischen Herstellern vorgeworfen, sie kopierten nur deutsche Kameras. Wirft man aber einen genauen Blick auf die Modelle der späten 50iger Jahre wird schnell klar: Die Japaner haben gelernt und perfektioniert. Ihre Konstruktionen sind teilweise extrem gut durchdacht und für die Fertigung in hohen Stückzahlen ausgelegt. Dabei sind dennoch hochwertige Kameras entstanden.

Die Konica IIIa von vorne

Ein Musterbeispiel für Kamerabau auf höchsten Niveau ist die Konica IIIa, die im Jahr 1958 – zeitgleich zur Leica M2 – erschien. Beim ersten Blick auf die Kamera fällt sofort das große Sucherfenster, das Leuchtrahmenfenster und das Meßsucherfenster auf und beim zweiten Blick erkennt man den großen Abstand zwischen Meßsucher- und Sucherfenster. Die Meßsucherbasis ist üppig dimensioniert und das Sucherfenster hat eine 1-fache Vergrößerung. Man sieht also ein 1:1 Abbild der Umgebung durch das riesige Fenster. Das ist Leica M3 Niveau. Damit aber nicht genug. Die Konica IIIa projiziert einen Leuchtrahmen in den Sucher, der in Parallaxe und Bildausschnitt entfernungsabhängig korrigiert ist. Die Erkennbarkeit des hellgelben Meßflecks ist vorbildlich, wenngleich er sich an den Kanten nicht so klar abgrenzt, wie der einer Leica M. Das bedingt sich natürlich in der einfacheren Konstruktion des Meßsuchers im Vergleich zur Leica, zeigt aber auch, dass man einen gleichwertigen Sucher mit weniger Aufwand herstellen kann. Jedenfalls braucht dieser Sucher den Vergleich nicht zu scheuen. Wie bei der Leica M. lässt sich auch der Sucher der Konica IIIa auch dann noch verwenden, wenn man eigentlich fast nichts mehr sehen kann. Mit diesen Eigenschaften setzt sich der Meßsucher der IIIa um Welten von den Suchern der Seventies Rangefinder ab. In etwas verkleinerter Form und mit verkürzter Basis findet man den Meßsucher auch in der Konica Auto S2. Hier hat er eine 0,7x Vergrößerung, lässt sich aber ebenso gut erkennen.

Ein riesiger Sucher in 1:1 – Merkmal der Konica IIIa

Die Konica IIIa ist herausragend gut verarbeitet und dabei leider auch sehr schwer. Stolze 820 Gramm bringt eine IIIa mit 48mm F2 auf die Waage. Für das Jahr 1958 verfügt die Konica IIIa über eine sehr umfangreiche Ausstattung, was wenig verwunderlich erscheint. Die Kamera kostete bei ihrem erscheinen 130 US Dollar, was für jene Zeit sehr viel Geld war. Inflationsbereinigt entspricht das im Jahr 2019 einem Preis von 1150 US Dollar. Für diesen Preis bekam der Kunde viel Kamera fürs Geld.

Die Fakten

  • Lichtstarkes Objektiv (wahlweise 48mm f2 oder 50mm f1.8)
  • Seikosha MXL Verschluss 1/1 bis 1/500 Sek. und B
  • Sync-Buchse am Verschluss, Modus wählbar
  • EV Einstellring mit Koppelung an die Verschlusszeit und somit automatischer Wahl der richtigen Zeit/Blenden Kombination nach eingestelltem Lichtwert.
  • gekuppelter Mischbildentfernungsmesser
  • 1:1 Sucher mit Leuchtrahmen zur Parallaxenkorrektur und Bildauschnittkorrektur
  • Doppelaufzug und Filmtransport über seitlichen Hebel am Objektiv
  • Doppelbelichtungssperre
  • Automatisches Bildzählwerk mit Rückstellung beim Öffnen der Rückwand
  • Zubehörschuh
  • Vorlaufwerk ca. 8 Sek.

Eine enorme Erleichterung, als auch gleichermaßen eine gewisse Einschränkung ist der EV Einstellring. Durch die Koppelung von EV-Ring und Verschlusszeit, braucht man nur – wie bei der Rolleiflex – den EV Wert einstellen und die Kamera stellt sich auf die richtigen Kombinationen aus Blende und Verschlusszeit ein. Das ist ungemein hilfreich, wenn man den EV Wert von einem Belichtungsmesser übernimmt. Für einen Sunny-16 Fotografen oder für alle, die die Belichtung ihren eigenen Vorstellungen anpassen wollen, ist das relativ unglücklich. Doch es gibt eine Abhilfe: Nach der einfachen Demontage des Zeitenrings, kann man die Kupplung ausbauen. Es muß natürlich jeder für sich selbst entscheiden, aber für mich persönlich ist die Konica IIIa in der Praxis ohne diese Kupplung viel besser zu gebrauchen. Für einen Einsteiger in die Fotografie ist diese EV Automatik aber ein kleines Highlight. Übrigens: Durch Ausbau der Kupplung wird die Blende stufenlos, weil sie ihre Rastung von der Verschlusszeit bekommt. Die Begrenzung von Blende bzw. Verschlusszeit in den Extrembereichen (EV 18, EV 2) bleibt aber voll erhalten.

Die Konica IIIa von unten

Das Handling der Kamera ist einfach nur sehr gut. Verschlusszeit und Blende können sehr einfach bedient werden. Die Bedienelemente sind sehr gut zu erfühlen. Man ist sofort bei der Konica IIIa zu Hause. Zum Fokussieren hat die Konica einen kleinen Griff unten am Objektiv. Die Positionierung ist genauso, wie man es von Leica M Objektiven kennt. In der Praxis hat sich das mehr als bewährt und ist aus meiner Sicht ein klarer Vorteil gegenüber den seitlich angebrachten Hebeln der Nachfolgemodelle. Der Verstellweg beträgt genau 1/4 Umdrehung und bietet eine perfekte Balance zwischen exakter Fokussierung und Geschwindigkeit.

Die Kamera hat keinen Schnellspannhebel an der Oberseite, sondern einen großen Hebel, der mit der linken Hand bedient wird. Er liegt ergonomisch sehr gut platziert und lässt sich mit dem Zeigefinger schnell bedienen. Beim ersten Drücken, wird der Verschluss gespannt und der Film um einen halben Frame transportiert. Beim zweiten Drücken, wird nur noch der Film transportiert. Am Objektiv befindet sich ein winziger Hebel, mit dem man den Verschluß auch schon in der Halb-Stellung auslösen kann. Wer kreativ werden möchte, kann damit überlappende Belichtungen machen.

Entriegelung der Rückwand

Zur Zurückspulen des Films, ist der Knopf im Bodendeckel zu drücken. Die Kurbel lässt sich um 180 Grad umklappen und wird im Uhrzeigersinn gedreht, um den Film zurückzuspulen. Die Kurbel wird zur leichten Entnahme der Filmpatrone hochgezogen. Um an den Film zu gelangen, wird die Verriegelung im Bodendeckel gedreht. Das erinnert optisch sehr stark in die Leica M, funktioniert aber vollkommen anders. In der „Open“ Stellung drückt man den Bügelring auf den Gehäuseboden und schon springt die Rückwand auf. Eine sehr clevere Lösung, die dazu auch noch schön aussieht.

Wer seine Filme selbst entwickelt, „liebt“ wahrscheinlich Kameras, die den Film in die entgegengesetzte Richtung aufwickeln. Leider gehört die Konica IIIa auch zu dieser Gattung. Besonders wer gerne mit dem Jobo 2400 Tageslichttank arbeitet, wird schnell genervt sein, weil sich ein Film, der einige Zeit in die Gegenrichtung aufgewickelt war, nur sehr störrisch in die Spirale fädeln lassen will.

Nachdem der Film belichtet ist, stellt sich die Frage nach der Qualität der Optik. In diesem Fall hier geht es im das 48mm 1:2 und dieser Linse kann man nur eines bescheinigen: Fantastische Schärfe ab Offenblende. Verglichen mit einem 50mm Zeiss Planar an einer Leica M4 kann ich kaum einen Unterschied in Schärfe und Kontrast feststellen. Das 48mm Hexanon spielt hier in der Königsklasse. Dabei kommt natürlich auch der perfekt erkennbare Meßsucher mit seiner großen Basis zum tragen, der eine sehr präzise Fokussierung erlaubt. Die Brennweite gepaart mit der Naheinstellgrenze von 90cm und den abgerundeten Blendenlamellen, sorgt für eine schönes Bokeh und insgesamt für einen schönen Verlauf in die Unschärfe. Die Vignettierung bei Offenblende ist gering und die Schärfe zu den Rändern hin auf durchgehend hohen Niveau.

Inside.

Es gibt absolut nichts, was gegen eine Konica IIIa spricht. Auch heute noch im Jahr 2019 bekommt man eine herausragende Meßsucherkamera, die wie kaum eine andere Nicht-Leica ein optimales Meßsuchererlebnis bietet.

Eine gebrauchte Konica IIIa hat natürlich auch Schwachstellen. Sehr oft werden Kameras angeboten, bei denen der Kunststoffrahmen um das Okular gebrochen ist. Das sieht sehr unschön aus. Der Verschluß und der Objektivtrieb inkl. Aufzug können schwergängig, bzw. verharzt sein und in vielen Fällen wurde im Laufe der Jahre die EV-Kupplung entfernt. Wer eine möglichst authentische Kamera kaufen möchte, sollte den Verkäufer unbedingt auf die EV-Kupplung ansprechen. Ein Indiz für die fehlende Kupplung ist die stufenlose Blende. Oftmals wird die vertikale Ausrichtung des Meßsuchers moniert. Bei der Konica IIIa ist es wichtig, möglichst gerade durch den Sucher zu schauen. Ein geringer vertikaler Versatz muss also nicht zwingend wirklich ein Versatz sein. Auch sehr wichtig: Der Meßfleck muss goldgelb und gut sichtbar sein. Die Spiegelflächen sind empfindlich und so manche alte Konica wurde mit aggressiven Reinigern gesäubert und die Beschichtung damit zerstört. In diesem Fall ist das Meßsuchererlebnis vorbei und gerade das ist der Grund für eine Konica IIIa.

Wer eine Konica IIIa erwischt hat, der die EV-Kupplung entfernt wurde, kann gerne Kontakt aufnehmen und seine Kamera mit einer handgefertigten Kupplung aufrüsten lassen.

Bokeh der Konica IIIa mit 48mm f2. Quickscan mit Reflecta X7 von Ilford FP4+

2 Comments

  1. Ein schöner Bericht. Ich habe eine Konica IIIA geerbt, die nicht mehr auslöst. Kann das noch repariert werden?
    Schöne Grüße, Louis

    • Hallo Louis, der Verschluss wird sich sicher reparieren lassen. Meistens ist er nur durch altes Schmiermittel verklebt und läuft nach einer Reinigung wieder perfekt. Du kannst gerne über die Kontaktseite eine Nachricht schicken.
      Gruß, Matz

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