Minolta Hi-Matic 7s

Die kompakte Meßsucherkamera Minolta Hi-Matic 7s ist wie ihre große Schwester die Hi-Matic 9 eine der ganz wenigen mechanischen Kameras mit einer Programmautomatik. Dazu noch ein lichtstarkes Objektiv und ein großer Meßsucher und fertig ist die perfekte Reisebegleitung, oder? Finden wir es heraus!

Über die fast identische Schwester der Hi-Matic 7s – nämlich die Hi-Matic 9 – habe ich schon berichtet und eigentlich könnte man es dabei belassen. Der Unterschied ist wirklich sehr klein. Im Grunde ist es nur die um 0,1 bessere Blendenzahl des Objektives, wenn man nur die letzte Serie der Hi-Matic 7s betrachtet. Ob man das 45mm 1:1.7 der 9er oder 45mm 1:1.8 der 7s verwendet, macht absolut keinen Unterschied. In der Praxis liefern beide Objektive ein erstklassiges Ergerbnis für ein Glas aus dem Jahr 1966.

Minolta Hi-Matic 7s
Minolta Hi-Matic 7s Belichtungssteuerung: M, A, S und P

Die Hi-Matic 7sII verfügt über einen sehr ordentlichen Meßsucher mit Parallaxenkorrektur. Die Erkennbarkeit ist bei ausreichend Kontrast im Motiv sehr gut, bei dunklen Szenen allerdings, wird die Erkennbarkeit schon etwas schwieriger. Eine Konica Auto S2 im Vergleich hat einen besseren Meßsucher. In Summe aber, ist das Suchersystem absolut praxistauglich und sorgt für ein präzises Fokussieren auch bei Offenblende.

Objektivität

Das 45mm 1:1.8 sitzt in der gleichen Fassung, wie das 45mm 1:1.7 der Hi-Matic 9. Die Frontlinse und die Rücklinse der Hi-Matic 9 sind geringfügig größer. Interessant sind aber die Meßwerte. Beide Objektivvarianten lassen den gleichen EV Wert auf die Filmebene. Das 45mm 1:1.7 erzeugt etwas mehr Unschärfe zu den Rändern hin, was bei einem Portrait aus Nahdistanz bei Offenblende natürlich gefühlt netter aussieht, aber eben auch generell Schärfe an den Rändern kostet. Das 45mm 1:1.8 hat ein vergleichbares Bokeh, ist aber insgesamt schärfer. Wer also vor der Entscheidung steht, ob Hi-Matic 9 oder die “günstigere” Hi-Matic 7s, dem kann ich nur zur Hi-Matic 7s raten.

Verschluß

Die Hi-Matic 7s verfügt über einen Seiko FLA Zentralverschluss mit Blitzsynchonisation. Das besondere hierbei ist der Hotshoe und der Syncport am Objektiv. Im Hotshoe wird ein Elektronenblitz automatisch bei allen Verschlusszeiten synchronisiert. Das funktioniert absolut perfekt. Am Syncport des Objektives wird allerdings nur eine Blitzbirne ausgelöst und das auch nur bei 1/30 Verschlusszeit. Ausserhalb dieser Verschlusszeit erfolgt keine Synchronisierung (was bei Blitzbirnen ohnehin überflüssig ist). Die Hi-Matic 7s zielt also ganz klar auf die Verwendung von modernen Elektronenblitzen ab. Im Zusammenspiel mit dem Metz 36C-2 lassen sich hervorragende Blitzerfotos anfertigen.

Minolta Hi-Matic 7s mit Metz 36C-2
Geblitzt. Metz 36C-2 an der Minolta Hi-Matic 7s

Programmautomatik

Es hat nur wenige mechanische Kameras gegeben, die Manuell, Halb- und Vollautomatisch die Belichtung einstellen konnten. Die Hi-Matic 7s gehört zu diesem exklusiven Club. Mit zwei Ringen am Objektiv lässt sich die Blende von 1.8 bis 22 und die Verschlusszeit von B bis 1/500 verstellen. An beiden Ringen ist eine A Stellung, die den jeweiligen Belichtungsparameter auf Automatik schaltet. Damit lässt sich entweder voll manuell (M), mit Blendenpriorität (A), mit Zeitpriorität (S) oder mit Programmautoamtik (P) fotografieren. Im Modus P stellt die Programmautomatik die Belichtung linear von 1/15 bei f1.8 bis zu 1/250 bei f22 ein. ASA wird manuell am unteren Objektivrand von 50 bis 800 in 1/3 Schritten eingestellt.

CLC

Mit einer Meßzelle vorne im Objektiv bestimmt die Hi-Matic 7s mit Hilfe des patentierten CLC Systems (Contrast Light Compensation) den EV Wert in Abhängigkeit des eingestellten ASA Wertes. Wie auch immer ein CLC System mit nur einer Meßstelle funktioniert, aber in der Hi-Matic 7s arbeitet dieses System perfekt. Selbst bei überstrahlenden Hintergründen ermittelt die Kamera einen mustergültigen EV Wert, der dann in der Automatik mechanisch auf Blende und Verschluss übertragen wird. Die Mechanik ist fast ein alter Bekannter, denn das Prinzip findet mal schon in der guten alten Rolleiflex – nur das diese keine Automatik hatte. An dieser Stelle kann man wiedereinmal schön beobachten, mit welcher Perfektion damals in Japan die vermeindliche Toptechnologie der deutschen Kamerashersteller weiterentwickelt wurde. Und nicht nur das, sondern der SEIKO FLA ist einer der präzisesten Verschlüsse, die man in der mechanischen Kamerawelt finden kann. Die Zeiten stimmen auf den Punkt genau.

Minolta Hi-Matic 7s
CLC – Contrast Light Compensation – die Meßzelle im Objektiv sorgt für eine perfekte Belichtungsmessung.

Schatten

Wo soviel Licht ist, da ist natürlich auch Schatten. Die komplizierte Mechanik braucht Energie und die kommt aus dem Zeigefinger. Beim Auslösen wird nicht nur der gespannte Verschluss freigegeben, sondern auch Blende und Verschluss eingestellt. Die Stellbewegung wird auch durchgeführt, wenn die Blende und Verschluss auf Manuell eingestellt sind. Diese Kraft spürt man. Die Hi-Matic 7s erzeugt einen deutlich spürbaren Widerstand bei Auslösen… Irgendwo muss die Kraft schließlich auch herkommen, damit Blende und Verschluss auf Basis des gemessenen EV Wertes eingestellt werden. Besonders für den Reisefotografen der damaligen Zeit, der nur die Vollautomatik nutzen will, war die große und schwere Hi-Matic 7s nicht unbedingt die erste Wahl. Die Kamera ist eher etwas für den Amatuerfotografen oder eben heute für den modernen Anlogen mit Meßsucherambitionen.

Minolta Hi-Matic 7s
Filmeinlegen leicht gemacht – Das Schnellladesystem der Hi-Matic 7s

Das Einlegen eines Films kann kaum leichter sein und durch die Aussparung im Kameraboden lässt sich die Filmpatrone besonders leicht entnehmen und einlegen.

Fazit

Die Minolta Hi-Matic 7s ist eine sehr gelungene Kamera und für jeden zu empfehlen, der in die Meßsucherwelt einsteigen möchte und natürlich auch für jeden, der einen perfekt ausgestatteten analogen Allrounder sucht. Sie ist neben allen technischen Vorzügen auch sehr gut zu warten und kann problemlos auf Varta V625U Batterien umjustiert werden.

Fakten

  • Rokkor 45mm 1:1.8
  • 0,9m bis Unendlich
  • Seiko FLA Zentralverschluss, 1/1 bis 1/500 und B
  • F1.8 bis F22, in vollen Stufen gerastet
  • Programmautomatik P,
  • Manuell M, Blendenpriorität A, Zeitpriorität S
  • Meßsucher 0,7x mit Parallaxenkorrektur
  • CLC Belichtungsmessung
  • Hotshoe Blitzsync bei allen Verschlusszeiten
  • B Syncbuchse am Objektiv bei 1/30
  • Filmschnelleinfädelung
  • Filmindikatorfenster
  • Bildzählwerk, rückstellend bei offener Rückwand

5 Comments

  1. Hallo Lichtgriff,
    Ich besitze die Himatic 7s von meinem Großvater und hänge sehr an dem Erbstück. Die Kamera läßt sich nicht mehr auslösen und auch der Zeiger ist ohne Funktion. Kann man das noch reparieren?
    Herzliche Grüße,
    Christian Thalmann

    • Hallo Christian,
      grundsätzlich lässt sich alles reparieren. Wenn die Kamera blockiert, ist in aller Regel der letzte Verschlussablauf nicht zum Ende gekommen. Sehr wahrscheinlich ist der Verschluss durch altes Fett verklebt. Wenn mit Zeiger der Belichtungsmesser gemeint ist, wird wohl eine Batterie ausgelaufen sein. Eventuell muß dann die Verkabelung erneuert werden.
      Wenn wir da aktiv werden sollen, dann schicke gerne eine Nachricht über die Kontaktseite.
      Gruß, Matz

  2. Hallo Matz,
    kann die 7s wirklich Blendenpriorität A und Zeitpriorität S?
    Mene scheint da zu bocken… Zeit ist dann immer auf gefühlt 1/30 und Blende fix 8…
    Dachte auch zuerst sie kann das, hab mich dann aber über über- und unterbelichtete Bilder gewundert und zuerst auf die 1,5V Batterie geschoben. In der Bedienungsanleitung steht davon auch nichts.
    Beste Grüße,
    Sebastian

    • Hallo Sebastian,

      ja die 7s kann das sehr gut. Aus der Ferne lässt sich leider nicht genau sagen, was das Problem ist, aber ein wackeliger Fronttubus wäre ein Indiz, dass die mechanische EV Koppelung nicht mehr greift. Das passiert häufig und lässt sich meist gut reparieren.
      Gruß, Matz

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