Canon P – Populaire

Die Canon P ist ohne Zweifel populär und war zu ihrer Zeit das attraktivste Meßsucherangebot. 1959 gab es die Canon P mit einem 50mm 1:1.4 für unter 300 DM. Der Gegenwert ist im Vergleich zur Leica M3 enorm und Canon wäre nicht Canon, wenn sie nicht das Ziel hätten, besser als alle Anderen zu sein. Und auch bei der Canon P haben die Japaner die Meßlatte sehr hoch gehängt.

Übersicht

Das Chassis der Canon ist im Grunde ein alter Bekannter, basiert sie doch auf der Canon VI. Aber Canon wollte scheinbar eine günstige Alternative zur komplizierten VI auf den Markt bringen und so wurde unter dem Topcover ausgemistet. Ein einfacher Sucher mit festen Rahmenlinien für 35, 50 und 100mm, Zeitenwahlrad, Aufzughebel, Auslöser und Coldshoe. Nichts, was vom Foto ablenkt und alles, was man braucht. Der Rest ist im Prinzip eine Canon VI, so auch der Metallverschluss mit Zeiten von 1/1 bis 1/1000 und B.

Canon P
Canon P mit 50/1.4

Der Meßsucher

Auch wenn er keine umschaltbaren Leuchtrahmen hat, sondern die Rahmen für 35, 50 und 100mm fest angezeigt werden, ist der Meßsucher der Canon P ein Volltreffer. Er hat eine Vergrößerung von 1,0x – so groß wie der Sucher der Konica IIIa und damit größer als der Sucher der Leica M3. Man kann also beide Augen entspannt geöffnet lassen und perfekt in eine Szene hineinfokussieren. Trotz der 1:1 Abbildung des Suchers, sind Rahmenlinien für 35mm Objektive vorhanden. Das ist mehr als genial und damit ist der Sucher der Canon P einer derjenigen, mit dem größten Nutzwert. Die Helligkeit liegt auf Niveau der M3, die Erkennbarkeit bei Dunkelheit ist grandios, nur die Reflexionen bei Gegenlicht stören etwas.

Canon P Meßsucher
Der Sucher der Canon P

Die Fakten

  • Metall Schlitzverschluss
  • Verschlusszeiten 1/1 bis 1/100, B und X
  • Automatische Blitzsynchronisation X und F
  • Blitzsynchronzeit 1/55 Sekunde
  • M39 Objektivanschluss
  • gekuppelter Mischbildentfernungsmesser 1,0x
  • Parallaxenkorrektur
  • Vorlaufwerk 10 Sekunden
  • Einfachaufzug 130 Grad
  • Zubehörschuh
  • PC Synchronbuchse
  • Bildzählwerk für 40 Aufnahmen, selbstrückstellend
  • Stativgewinde
Canon P
Ein sehr schöner Rücken. Canon P

Handling und Praxis

Kaum eine Kamera lässt sich angenehmer bedienen, als die Canon P. Sie konzentriert sich wie eine Leica M auf die Essenz des Fotografierens und rückt das Motiv fast von alleine in den Fokus. Es gibt nichts, was an der Ergonomie zu bemängeln wäre. Canon hat hier eine für die damalige Zeit perfekte Kamera abgeliefert.

Und auch heute noch, würde ich die Canon P als erste Wahl für eine klassische M39 Kamera empfehlen. Einen sehr positiven Eindruck hinterlässt das Einlegen eines Filmes. Die Kamera ist zwar eine Falschwicklerin (sie spult den Film gegen die Wickelrichtung in der Filmpartone auf), doch man braucht nur den Filmanfang in den markierten Schlitz stecken, kurz straffen, Deckel schliessen und schon kann man loslegen. 38 Bilder lassen sich daher auf einen 36er Film bekommen.

Die Canon P ist perfekt ausbalanciert und besonders mit einem kurzen 35mm Objektiv, liegt sie gut in der Hand und passt in fast jede Tasche.

Der Verschluss

Wie schon bei der Canon VI besitzt die P Verschlusstücher aus Metallfolie. Die Folie neigt dazu, Knicke zu bekommen. Das sieht bisweilen recht spektakulär aus, ist aber harmlos. Der Aufzug ist sehr geschmeidig, doch der Verschlussablauf ist lauter, als bei den höherwertigen Canon Rangefindern. Viel lauter ist er nicht, aber das Klacken ist heller und präsenter, als z.Bsp. bei der Canon Model 7.

Das Timing des Verschlusses ist perfekt. Kaum ein mechanischer Verschluss liefert genauere und reproduzierbarere Zeiten, als der der Canon Rangefinder.

Canon P
Canon P – LTM

Canon P oder Leica M3?

Eine M3 ist und bleibt eine M3 und der emotionale Zeitgeist spricht immer für die Leica M, aber wenn ich die Leicabrille absetzte und durch die Werkstattbrille schaue, dann ist die Canon P die bessere Kamera. Nicht nur in der Werkstatt, sondern auch als Gebrauchskamera hat sie die Nase vorn. Durch die Vielzahl von sehr guten LTM Objektiven, ist die Canon die beste Option für klassische Meßsucherfotografie mit Wechselobjektiven.

Canon P Selfie
Mit der Canon P und einem Jupiter 8 auf Ilford FP4+ 1/60 bei f2.8 ISO 250. Scan mit dem Werkstattscanner

Die Canon P im Canon Kamera Museum: https://global.canon/en/c-museum/product/film37.html

5 Comments

  1. Lieber Matz Binder,
    erstmal: Vielen Dank für die Unmengen an Informationen auf Deiner Seite! Das liest sich alles super, und hat mich in vielen Punkten schlauer gemacht – nicht zuletzt Dein Sunny 16 – Special hat mir sehr geholfen.
    So langsam schwächeln meine geliebten Spiegelreflexen, und schon seit langem liebäugle ich mit dem Thema Messucher: Wäre die Canon P eine robuste Kanidatin in Punkto Verlässlichkeit? Lässt sich das Gerät auch heute noch gut warten/reparieren?
    Liebe Grüße,
    Dennis

    • Hallo Dennis,
      danke für Dein nettes Feedback. Die Canon P ist eigentlich ziemlich unverwüstlich und lässt sich gut warten. Ersatzteile gibt es zwar nicht mehr, aber es gibt auch nur wenige Punkte, die problematisch sein könnten. Wichtig ist eigentlich nur ein guter bis sehr guter Zustand und möglichst nicht aus Japan importiert.
      Gruß, Matz

      • Hallo Matt, habe eine Frage zur Canon P. Du Hasst geschrieben möglichst nicht aus Japan Importieren. Warum nicht aus Japan?
        Ciao Franco

        • Hallo Franco,
          Sehr viele Kameras aus Japan sind sehr stark korrodiert. Das Klima in Japan hat eine recht hohe Luftfeuchtigkeit und wenn die Kamera längere Zeit unklimatisiert in einem Keller oder Garage verbracht hat, ist sie kaum noch zu retten. Beim Import aus Japan muss man extrem darauf achten, dass die Kamera ist einem nachweislich guten Zustand ist. Das ist nicht leicht und somit ist das Risiko hoch.
          Gruß, Matz

          • Vielen Dank Matz für die Antwort.
            Im Moment werden leider nur Kameras aus Japan angeboten. Hoffe das es bald wieder Kamerabörsen gibt, wo man Sie aus der nähe betrachten kann.
            Ciao Franco

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