Leica CL

Mit der Leica CL betritt 1973 eine äußerst bemerkenswerte, kleine Kamera die Bühne und verlässt diese kaum 4 Jahre später wieder. Was diese Kamera ausmacht und warum und für wen sie heute noch geeignet ist, verrät dieser Artikel.

Der Markt.

In den 1970er Jahren war der Markt für Consumer Kameras in grundlegend 2 Bereiche aufgeteilt: Spiegelreflexkameras für diejenigen, die gerne viel und schwer tragen und Kompaktkameras für das leichte Gepäck. Die Kompakten ohne Spiegel – die spiegellosen dieser Zeit – hatten entweder keine Möglichkeit den Fokus zu kontrollieren, oder es waren Meßsucherkameras. In den Siebzigern war der Zenit der professionellen Meßsucherkameras längst überschritten und so dominierten die kleinen Kompakten das Segment der Reisekameras. Doch alle Vertreter die Gattung, waren mit nicht wechselbaren Festbrennweiten und Zentralverschluss ausgestattet. Diese einfachen Konstruktionen sind preiswert in der Herstellung und fühlen sich dann je nach Modell auch so an – selbst wenn teils exzellente Linsen verbaut wurden (wie bei der Canonet QL 17 G-III).

Leica CL Film
Leica CL mit 35er Nokton Classic M.C.

Fast Professionell.

Die Leica CL ist wie eine kleine Kehrtwende zurück zu einer professionellen aber reisetauglichen Meßsucherkamera. Im Gegensatz zu den typischen Kameras jener Zeit und gleichsam als einzige Kompakte, die es je gegeben hat, verfügt die Leica CL über ein Leica M Bajonett. Damit lassen sich alle M oder M39 Objektive verwenden, sofern sie nicht mehr als 16,5mm in das Gehäuse ragen (gemessen von der Bajonettauflage aus). Zu dieser Einschränkung kommt später noch mehr. Damit die Leica CL mit ihrer Konkurrenz Schritthalten kann, ist ein Belichtungsmesser eingebaut. Doch im Gegensatz zu den „unprofessionellen“ Wettbewerbern prangt nicht irgendwo am Gehäuse eine Fotozelle. Nein, die Leica CL verwendet die gleiche TTL-Messung durch das Objektiv, wie die Leica M5. Ihre Meßcharakteristik entspricht einer Spotmessung und ist durch die Brennweite beeinflusst, doch die Messung ist extrem gut und kommt einem professionellen Anspruch an die Belichtung durchaus entgegen.

Ergonomie.

Man könnte es so formulieren: Endlich wurde mal bei der Konstruktion über die Bedienbarkeit nachgedacht. Die Leica CL hat das Zeitenwahlrad oben an der Frontseite angebracht. Genau an der Stelle wo auf natürliche Weise der Zeigefinger liegt, kurz bevor er auslösen möchte. Das Verstellen der Verschlusszeit ist traumhaft ergonomisch und um Lichtjahre besser, als bei der Leica M. Die Kamera liegt gleichzeitig sehr gut in der Hand – trotz ihrer kleinen Abmessungen. Sie ist genauso groß und schwer, wie eine Canonet GIII oder Revue 400 SE (ein „kleines“ Objektiv eingerechnet). Die Leica CL in der Hand zu halten macht einfach Spaß. Nicht ganz so ergonomisch, ist der Weg des Transporthebels (Leica nennt ihn übrigens „Schalthebel“). Der Weg ist länger, als man das von anderen Kameras gewohnt ist. Das Konzept ist aber verständlich, muss der Hebel doch 3 mechanische System mit Energie versorgen: Filmtransport, Verschluss und Belichtungsmessarm.

Leica CL Meßzelle
Leica CL mit ausgeklappten Meßarm

Belichtungsmessung.

Leica und das Belichtungmessen, müssen bis in die Siebziger Jahre Erzfeinde gewesen sein. Anders lässt sich diese merkwürdige Zurückhaltung bei den M Kameras kaum erklären. Wo schon Ende der Fünfziger Jahre andere Hersteller wie selbstverständlich eine Meßhilfe oder sogar ganze Automatiken in ihre Kameras eingebaut haben, kam erst die Leica M5 mit einer Belichtungsmessung daher. Glücklicherweise auch die Leica CL, auch wenn die technische Lösung schon so ihre Eigenheiten hat. Zieht man den Verschluss auf, bewegt sich ein Arm mit einer Fotozelle mittig vor den Verschluss. Verwendet man Objektive, die sehr weit in das Gehäuse ragen, könnten diese mit dem Meßarm kollidieren. Daher hat Leica mit der CL auch gleich eigene Objektive auf den Markt gebracht. Die Messung selbst, die das Licht durch die Linse misst, ist ohne Fehl und Tadel und funktioniert absolut perfekt. Die Verkabelung der Fotozelle ist durch die Bewegung einem gewissen Verschleiß unterlegen und bricht früher oder später. Das ist aber nichts, was man nicht wieder instand setzen kann. Die Anzeige im Sucher ist mit der Verschlusszeit und ASA Einstellung gekoppelt und gibt je nach Licht eine Über- oder Unterbelichtungswarung mit Hilfe eines Zeigers. Die richtige Belichtung ist damit superschnell eingestellt und erlaubt gleichzeitig die volle manuelle Kontrolle.

Kompatible Objektive.

Die Leica CL kann in Prinzip mit allen Leica M Objektiven verwendet werden. Es nur zu beachten, dass das Objektiv nicht mehr als 16,5mm in das Gehäuse ragt, um nicht mit dem Meßarm in Berührung zu kommen. Alle Leica und Voigtländer M-Objektive ab 21mm Brennweite funktionieren problemlos. Ab 35mm Brennweite ragen die Optiken ohnehin kaum noch in das Innere der Kamera. Bei M39 Objektiven wird es etwas schwieriger. Hier gibt es Modelle, die sehr weit in die Kamera ragen. Ein Extrembeispiel ist das Jupiter 12, dass mit seiner extrem großen Rücklinse gar nicht erst in die CL hinein passt. Zusammenschiebbare Objektive lassen sich verwenden, aber nur wenn die nicht zusammengeschoben werden, während sie an der Leica CL befestigt sind.

Ich verwende die Leica CL mit dem Voigtländer 21/3.5 Classic, 35/1.4 Nokton, 40/1.4 Classic, dem Zeiss 50/2, dem Jupiter 8 und dem Voigtländer 75/2.5. Diese Optiken funktionieren hervorragend mit der kleinen Leica.

Leica CL Meßsucher
Der Sucher der Leica CL

Der Meßsucher.

Wie immer das Wichtigste bei einer Meßsucherkamera, ist der Meßsucher selbst. Ja, erst ist relativ klein und macht es nicht gerade einfach, den Fokus auf den Millimeter genau zu setzen, aber es geht. Wer so wie ich jahrelang mit einer Canonet GIII „geübt“ hat, der hat mit dem Sucher der Leica CL absolut keine Probleme. Er ist hell, kontrastreich und selbst in dunklen Umgebungen zu gebrauchen. Er zeigt Rahmenlinien für 40, 50 und 90mm. Da mag den einen oder andern stören, für mich ist das aber ohne Bedeutung. Mit ein bisschen Vorstellungskraft und der richtigen Haltung der Kamera, funktioniert eine 35mm Brennweite wie von selbst: Einfach das Auge nicht ganz so dicht an den Sucher halten, sodass der Rand des Suchers etwa soweit von 40mm Rahmen weg ist, die der Abstand zwischen der 40 und 50 Markierung und schon peilt man auf 35mm. Bei mir ist das auch zufällig der Komfortabstand zwischen Auge und Sucher. Durch die 0,6x Vergrößerung, kann ich mit meiner leichten Alterssichtigkeit, die Leica CL ohne Brille benutzen. Das ist ein echter Pluspunkt! Natürlich gibt es bessere Sucher, aber bitte: Die Kamera ist so groß wie eine Kompaktkamera und verschwindet in jeder Tasche. Diesen Kompromiss gehe ich gerne ein. Zum Fokussieren des 21mm Objektives habe ich ein sehr einfaches Hilfsmittel. Ich habe den Bildwinkel als kleinen Aufkleber mit einem „V“ auf der Oberseite der Kamera. Über die Schenkel des V peile ich die Motivecken an, merke mir den Mittelpunkt und benutze dann den normalen Sucher. Alles ohne Aufstecksucher oder anderen Werkzeugen. Es ist einfach nur eine Übungssache.

Leica CL Batterie
Die Batterie der CL. Nur wechselbar, wenn das Filmfach offen ist.

Finish und Feel.

Samtschwarz verchromt kommt die Leica CL daher. Minolta hat dieses Verfahren ja seinerzeit entwickelt und kultiviert. Wer die samtene Haptik der höhenwertigen Minolta Kameras kennt, der erlebt mit der Leica CL genau dieses Feeling. Die Verarbeitung ist makellos. Nichts klappert oder hätte irgendein Spiel, was das Anfassgefühl trüben könnte. Die Belederung ist sehr hochwertig und neigt nicht zum verkleben, wie ganz viele Materialen dieser Ära. Der Auslöser ist geschmeidig, leicht zu betätigen und das sonore und leise Verschlussgeräusch, was schon sehr an die Leica M erinnert, rundet das Bild ab. Die Leica CL spielt eindeutig in einer höheren Liga, als ihre kompakten Mitbewerber von damals. Auch eine sehr wertige Canonet GIII kann mit der CL nicht auf Augenhöhe mithalten.

Verschluss und Konzept.

Die Leica CL wurde bei Minolta in Japan hergestellt. Da tauchen natürlich sofort Verschwörungstheorien auf, dass es sich eigentlich um eine Minolta Kamera handelt. Baut man die Leica CL auseinander und bewundert die Konstruktion, erkannt man aber im verborgenen sofort eine Leica wieder. Die Grundkonstruktion und die Funktionsweise des Verschlusses ist typisch für eine M Kamera, nur dass hier der Verschluss um 90° gedreht im Gehäuse sitzt. Und man glaubt es daher kaum: fast Alles, was bei der M über dem Verschluss sitzt, ist bei der Leica CL zufälligerweise links. Das kommt dabei heraus, wenn man die M um 90° im Uhrzeigersinn dreht. Natürlich war das jetzt eine sehr vereinfachte Darstellung der Dinge und das Konstrukt ist im Detail schon anders, als eine normale M, aber die CL ist ganz sicher keine Minolta. 

Leica CL 1973
Rückseite. Die Leica CL hat ein puristisches Design

Zielgruppe heute.

Ganz einfach: Jeder. Die Leica CL funktioniert für jeden Meßsucherbegeisterten, wenn er sich auf die CL einlassen will. Was oftmals als Nachteil bei der CL genannt wird, wiegt die Kompaktheit der Kamera wieder auf und für Menschen wie mich, die die Kompaktheit mögen, ist die Leica CL alternativlos. Es gibt keine kleinere analoge Kamera, die M Objektive aufnimmt. Die Preise sind noch sehr günstig im Vergleich zur ausgewachsenen M, daher würde ich niemals lange überlegen, wenn mir ein gutes Angebot für eine CL über den Weg läuft.

Objektivwahl.

Als Immerdrauf Linse auf der Leica CL gibt es 2 fantastische Möglichkeiten von Voigtländer. Das ist das 35mm 1:1.4 Nokton und das 40mm 1:1.4 Classic. Ich persönlich bin absoluter Fan des 35ers. Die Schärfe und Charakter dieser Linse ist genau mein Geschmack. Das 40er ist aber genauso gut und passt etwas harmonischer zu den Rahmenlinien (wenn man das braucht). Beide Linsen haben eine schönen Unschärfeverlauf im Hintergrund, ohne den Hintergrund komplett aus dem Motiv herauszulösen. Und natürlich sind beide Objektive extrem klein und kompakt gebaut; als wären sie extra für die Leica CL gebaut worden.

Von Leica gibt es speziell für die CL das Summicron-C 40 1:2. Das ist eine gute Einsteigerlinse, wenn man mit dem Sucher noch nicht so routiniert umgehen kann und entsprechend mit mehr Blende arbeiten muss. Wirklich überzeugend ist die Linse aber nicht. Wem es um das Bildergebnis geht, der ist mit den Voigtländern einfach besser beraten.

Die Fakten.

  • Tuchschlitzverschluss, vertikal ablaufen
  • Verschlusszeiten 1/2 bis 1/1000 und B
  • ASA 25 bis 1600
  • TTL Belichtungsmessung, abschaltbar über Transporthebel
  • gekuppelter Mischbildentfernungsmesser mit Parallaxenkorrektur und 0,6x Vergrößerung
  • Leuchtrahmen für 40, 50 und 90mm (90mm wir automatisch gesetzt, wenn das entsprechende Objektiv montiert wird.
  • Leica M Bajonett
  • Bildzählwerk, selbstrückstellend für 40 Bilder
  • kann nach Justage mit einer Varta V625U betrieben werden

Dieses und Jenes.

Es gibt ein paar Dinge an der Leica CL, die könnte man zu recht in Frage stellen. Natürlich ist es der klassische Leica-Stil (seit der Leica I), ein selbstragendes Chassis um den Verschluss herum zu bauen um dann das Ganze ein einer art Dose zu versenken. Das mag im Jahr 1929 sinn gemacht haben, aber warum bitte musste das auch bei der CL gemacht werden? Bei der Minolta CLE findet man schließlich auch eine normale Rückwand zum aufklappen. Und warum muss die CLE den Film gegen wie Wickelrichtung in der Kamera aufspulen? Früher gab es auch schon Tageslichtdosen. Und hätte man nicht an der Auslöser-Seite der Kamera nicht eine Öse für eine Trageschlaufe anbringen können? Mehr fällt mir glücklicherweise nicht ein und nichts davon stört mich wirklich 😉

Leica CL Filmfach
Das Filmfach der Leica CL

Keiner Tip zur Belichtungsmessung.

Sehr oft bekomme ich Anfragen zur CL wegen eines toten Belichtungsmessers; daher kommen hier ein paar Hinweise. Der Belichtungsmesser hat einen Hauptschalter, der an den Transporthebel gekoppelt ist. Man muss den Hebel ein paar Zentimeter vom Gehäuse wegbewegen, um ihn einzuschalten. Das ist ein häufiger Grund, warum ein Defekt vermutet wird. Der 2. Schalter ist die Batteriekontrolle rechts unten neben dem Bajonett. Wenn der Schalter korrodiert ist, was eine typische Alterserscheinung ist, kann es helfen auf dem Schalter ein paar mal schnell hintereinander herumzudrücken. Hat der Beli dann wieder kontakt, sollte man die Kontrolle nicht mehr benutzen (oder reinigen). Der 3. „Schalter“ ist der Zustand nach dem Auslösen. Wenn der Meßarm nicht vor den Verschluss geschwenkt ist, gibt es auch keine Messung.

Und noch ein kleiner Mythos zum Abschluss: „Man soll die Kamera möglichst nicht im Portaitmodus verwenden, weil sonst der Belichtungsmesser (generell) nicht funktioniert…“

Das ist Unfug. Im Handbuch wird zur Batteriekontrolle darauf verweisen, die Kamera im Querformat zu halten. Das hat Leica nicht geschrieben, weil der Belichtungsmesser ein magisches Konzeptproblem hat, sondern einfach nur, damit die Messnadel des Galvanometer auf die Schwerkraft ausgerichtet ist. Nur dann stimmt die Anzeige der Batteriekontrolle ganz exakt. Die Leica CL kann beim Fotografieren in jeder Haltung benutzt werden. Sollte der Belichtungsmesser in irgendeiner Stellung nicht funktionieren, liegt ein Defekt vor, der behoben werden sollte. Natürlich kann es vorkommen, dass die Messnadel beim Überkopfhalten einen ungenauen Wert vorschlägt, aber das betrifft alle Galvanometer-Konzepte der damaligen Zeit und ist kein Leica CL Problem.

Sonderfahrt
Leica CL Voigtländer 35 1.4 auf Max 100. 1/30 bei f1.4
Tui Arena
Leica CL Voigtländer 35 1.4 auf Max 100. Luftanhalten: 1/15 f1.4 Freihand
Struktur
Leica CL Voigtländer 35 1.4 auf Max 100.
Reckenbote
Leica CL Voigtländer 35 1.4 auf Max 100. 1/30 bei f2.

Mit dem kleinen Sucher lichtstarke Objektive fokussieren?

Wie man an den Bilder – so glaube ich – erkennen kann, ist das für einen geübten Meßsucher-Fotografen kein Problem. 🙂

One Comment

  1. Danke für diese interessanten Informationen. Ich benutze seit neuestem wieder die CL meines Vaters, die tatsächlich 1974 einen dramatischen Flugzeugabsturz heil überlebte. Daran sieht man, wie stabil und toll sie hergestellt wurde.

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