Olympus XA

Auf eine Handfläche passt heute nichteinmal mehr ein durchschnittliches Smartphone, dessen Bildsensor man dafür aber mit der Lupe suchen darf und schon gar nicht könnte man eine Vollformatkamera mit Objektiv auf dieser kleinen Fläche unterbringen, oder? Doch! Das kann man sogar sehr gut, bzw. das konnte man schon im Jahr 1979, als die Olmypus XA erschien. Es wäre aber nicht so, als wäre die XA die erste kleine Kamera gewesen, aber die Summe ihrer Features macht sie einzigartig.

35mm Miniformat

Bevor die digitale Revolution die Sensorgrößen immer weiter miniaturisierte, war das, was wir heute als Vollformat bezeichnen, also das Kleinbildformat von 24x35mm, der Standard in der Fotografie. Da ein Film als Sensor keine Elektronik und kaum Platz benötigt, gab es auch schon früh sehr kleine Kameras. Die Braun Paxette, oder die legendäre Rollei 35 sind solche Vertreter. Wo waren bis 1979 die Miniatur-35mm-Kameras, mit denen man auch fokussieren konnte? Genau: Es gab sie gar nicht. Eine Paxette zu Beispiel hat nur einen ungekuppelten Entfernungmesser, der fast nutzlos winzig ist und die Rollei 35 kann nur über Zonenfokus scharfgestellt werden. Eine kompakte aber auch gleichzeitig ernsthafte Kamera war früher stets eine Meßsucherkamera, doch auch diese Kameras hatten noch eine Größe, die eben etwas mehr als einen Handteller ausmachten und durch das Objektiv nicht in eine Hosentasche passten.

Olympus XA
Flach und kompakt. Die Olympus XA von oben.

Miniformat mit Fokus

All das war Gesetz, bis ganz am Ende der Siebziger Jahre die Olympus XA auf der Bildfläche erschien. Die Olympus XA vereint Features, die es zuvor in dieser Kombination nicht gegeben hatte: Ein innenfokussierendes Objektiv mit 35mm Brennweite, ein vollelektronischer Verschluss, manuelle Blende, einen echten gekuppelten Meßsucher, die Größe einer Zigarettenschachtel, federleichte 230 Gramm Gewicht mit eingelegten Film und trotz der kleinen Abmessungen eine Lichtstärke von 2.8. Die Summe dieser Eigenschaften ist fast unglaublich und macht die Olympus XA auch heute noch zu einer unglaublich attraktiven Kamera für den Freund des Meßsuchers.

Olympus XA
Die legendäre Linse.

Das F.Zuiko 35mm 1:2.8

Durch das superflache und innenfokussierende Objektiv baut die Olympus XA so flach, dass sie problemlos in jede Hosen- oder Jackentasche gleiten kann und dank des durchdachten Designs mit dem integrierten Objektivschutz braucht man auch keine Hülle für die Kamera. Sie ist einfach immer bereit. Ein weiteres Highlight des Objektivs ist seine überraschend gute Schärfe. Zu der exzellenten Schärfe gesellt sich ein extrem hoher Kontrast und das auch bei Gegenlicht. Bedenkt man die Größe und Kompaktheit, dann ist das Olympus F.Zuiko 35mm 1:2.8 einfach eine Legende.

Meßsucher

Was nützt einem eine Kompaktkamera, wenn man nicht gescheit fokussieren kann? Mir persönlich nichts und in der heutigen Zeit schon gar nichts, aber vergessen wir nicht, dass damals die Bilder ganz oft nur in 9×13 aus dem Labor kamen und da hat man die Unschärfen längst nicht so wahrgenommen wie heute. Trotzden: Wer die Blende 2.8 auch mal ausnutzen möchte und das Motiv sich im Nahbereich befindet, der braucht ein Hilfsmittel zum Scharfstellen und genau das bringt die XA mit: Ein echter gekuppelter Mischbildentfernungsmesser. Das Meßsuchererlebnis ist allerdings in keinster Weise mit einem “richtigen” Meßsucher zu vergleichen.

Die Nachteile des kleinen Suchers

Es gibt 4 Faktoren, die das Erlebnis und vorallem die Nutzbarkeit herabsetzen. Als erstes sei sie Vergrößerung erwähnt, die mit 0,55x grenzwertig klein ist. Als Zweites kommt die winzige Meßbasis dazu, gefolgt vom dritten Punkt, dem ebenso winzigen Verstellweg am Objektiv. Es ist schon schwierig den richtigen Fokus zu treffen – aber nicht unmöglich. Punkt 4 ist der mangelnde Kontrast des Suchers und hier schließt sich meine einzige wirklich Kritik an: Olympus hätte die Gläser im Sucher ordentlich vergüten sollen. Doch zum Glück gibt es Abhilfe für das Problem. Mit einer Polarisationsfolie vor dem vorderen Sucherfenster, kann man den Kontrast deutlich steigern und zwar so deutlich, dass der Sucher richtig brauchbar wird. Gute Augen natürlich vorausgesetzt 😉 Und vergessen wir nicht: Wir haben mit der Olympus XA eine zigarrettenschachtelgroße Meßsucherkamera in der Hand; der Sucher kann also niemals auf dem Niveau einer Leica M sein.

Olympus XA
Innenansicht.

Handling

Es ist schon ein wenig schade, dass Konica nicht auf die Idee gekommen ist, eine Meßsucherkamera dieser Größe zu bauen. Die hätten den Sucher wahrscheinlich etwas besser hinbekommen. Olympus hat leider nie einen wirklich überzeugenden Sucher gebaut und die Generation Olympus SP, RD u.a. gibt mir da leider etwas recht. In der Bedienung ist die Olympus XA wegen ihrer Größe natürlich etwas fummelig, dennoch kommt man mit ihr gut zurecht und mit etwas Übung kann man herrlich unbeschwert (im wahrsten Sinne) unterwegs sein. Es macht wirklich Spaß, sie in der Hand zu halten. Sie stellt einen nie vor kniffelige Aufgaben. Der Film lässt sich extrem einfach einfädelnen und durch die fast gar nicht vorhandenen Überhänge links und rechts der Filmebene, verschwendet die Kamera kaum Filmmaterial.

Kapazität

Schon nach der 2. und wenn man gut ist nach der 1. Transportbewegung nach dem Einlegen, ist das erste Bild belichtungsbereit. Man kann also 2-3 Bilder zur Kapazität des Films hinzurechnen. Und sehr erfreulich: Die Kamera wickelt in die natürliche Wickelrichtung der Patrone auf. Daher kann man den Film nach dem Entnehmen sofort in eine Aufspulhilfe oder einen Tageslichttank geben.

Olympus XA, schußbereit.

Belichtung

Die Belichtungsmessung erfolgt recht klassisch mit einer CdS Zelle und einer über ASA und Blende mechanisch bewegten Maske vor der Zelle. Die Messung funktioniert soweit ganz ordentlich, doch merkt man schnell, wie wichtig der kleine Hebel an der Unterseite der Kamera ist, mit dem man eine Kompensation von 1,5 EV einschalten kann. Sowie ein heller Bereich im Bild ist, der nicht mit dem Motiv deckungsgleich ist, hat man sonst kaum eine Chance zur korrekten Belichtung. Hier merkt man den beengten Platz in der Kamera. Die Meßzelle liegt ziemlich dicht an der Vorderseite und erfasst einen sehr großen Bereich. Aber geschenkt: Dafür ist die Kamera einfach herrlich klein.

Filmtransport

Sofern man also nicht an den kleinen Hürden scheitert – die größte Hürde ist man schließlich selbst – dann bannt die kleine Linse kontrastreiche und scharfe Bilder auf den Film in Inneren. Es gibt eine Sache, der normalerweise nur wenig Beachtung geschenkt wird: Der Filmtransport. Bei vielen kleinen Kameras, die keinen Schnellschalthebel besitzen, sondern wie die Olympus XA mit einem Daumenrad bedient werden, kann das hakelig oder störrisch werden. Nicht so bei der XA. Der Filmtransport geht butterweich und ganz leicht. Ebenso leicht vollzieht sich das Zurückkurbeln, wobei man beim Aufklappen der Kurbel eine gesunde Feinmotorik aufweisen sollte.

Auslösen mit Gefühl

Solange sich der Schutzdeckel vor dem Objektiv befindet und die Kamera damit ausgeschaltet ist, kann man gefahrlos auf den Auslöser drücken. Ist die Kamera jedoch schußbereit, muss man wirklich höllisch gut aufpassen. Ein leichter Druck auf den orangeroten Taster, lässt den Verschluß sofort ablaufen. Da ist schnell mal ein Bild ganz aus Versehen verschossen… ein Glück, dass ein paar Bilder mehr auf die Rolle passen 😉

Olympus XA
Größenvergleich zur Leica M6

Immer XA?

Also ist die Olympus XA die einzige wahre Immerdabei Meßsucherkamera? Das muß jeder für sich selbst entscheiden, aber bei der Größe gibt es wohl kaum einen Grund, sie nicht dabei zu haben. Sie ist nicht die beste Meßsucheroption und vielleicht etwas fummelig in der Bedienung, aber das verzeiht man ihr mehr als gerne. Die Olympus XA gehört einfach in jede Tasche.

Die Fakten

  • elektronischer Zentralverschluss von ca. 20 bis 1/500 Sek.
  • F.Zuiko 35mm 1:1.8 Objektiv
  • Blende 2.8 bis 22 in vollen Stufen gerastet
  • ASA 25 bis 800 in 1/3 Stufen
  • gekuppelter Mischbildentfernungmesser 0,55x
  • Fokussierung von 0,85m bis Unendlich
  • Hintergrundlicht-Kompensation 1,5 EV schaltbar
  • Stativgewinde
  • Bildzählwerk selbstrückstellend
  • Blitzen nur mit Olympus Blitzen A11 und A16 möglich
Posaune, Olympus XA
Kontrast und Schärfe auf FP4+ bei 250 ASA
Gegenlicht, Olympus XA
Kontrast im Gegenlicht. Direkt in die Sonne bei F22.

3 Comments

  1. Ich liebe die XA auch sehr als immer dabei Messsucher. Ich bin froh, dass ich mir eine erjagt habe. Das mit dem Polarisationsfilter finde ich interessant. Ich habe blaue Filterfolie für meine mauen Sucher genommen, die das auch gut bringt, bei der XA, bei der man m.E. auch noch im richtigen Winkel reinschauen muss, war das eine fast wortwörtliche Erleuchtung.

    Alles in allem, danke für den schönen Beitrag.

  2. Das Problem mit dem zu sensiblen Auslösetaster habe ich bei meiner wie folgt gelöst:
    Die orange Abdeckung des Tasters vorsichtig ablösen (ist festgeklebt). Ich nehme dazu eine sehr dünne Blattfühlerlehre um den Kunststoff nicht zu beschädigen. Darunter ist dann eine Schraube die die ganze Tastereinheit zusammenhält. Unter dem oberen Kunststoffteil kommt ein Federblech zum Vorschein, das die Kontakte auseinanderhält. Wenn man die Beinchen dieses Bleches etwas aufbiegt, wird die Vorspannung erhöht. Dadurch benötigt man etwas mehr Kraft um die Kontakte zu schließen. Viel ist es nicht, aber man muss jetzt schon etwas drücken bevor die Kamera auslöst.

  3. tja der Auslöser … Der ist einfach eine Katastrophe. Sobald man den Finger drauflegt, löst die Kamera aus. Man muss also sein Motiv mit über dem Auslöser schwebenden Zeigefinger anvisieren und dann plötzlich “zustechen”. Kein Wunder, dass mit der leichten kamera dadurch etliche bilder verwackelt sind. Wenn dann noch die ungewollten Auslösungen dazukommen …
    Den Sucher als Messsucher zu bezeichnen trifft zwar die Technik aber nicht die brauchbare Funktionalität. Ich fand die Kamera auch nach 2 Jahren Benutzung noch furchtbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.