Voigtländer Nokton 40mm 1:1.2

Dieses Voigtländer Objektiv mit 40mm Brennweite ist mein persönlicher Favorit für nahezu alle fotografischen Lebenslagen und daher schauen wir uns dieses spezielle Objektiv, das mehr oder weniger fest mit meiner Leica M verwachsen ist, einmal an.

Unpopuläre Brennweite

Wahrscheinlich gehört heutzutage eine Brennweite von 40mm nicht zu den populären Brennweiten. Gehen wir aber zurück in die 1970er und 1980er Jahre, finden wir eine ganze Kameragattung – nämlich die der kompakten Meßsucherkameras – die fast ausschliesslich mit einer 40mm Festbrennweite ausgeliefert wurden.

Zoomobjektive waren damals in der kompakten Reisefotografie oder generell bei Kompaktkameras nicht zu finden und bis heute stellen Zoomobjektive immer einen Kompromiss dar. So gut das zommende Glass auch immer sein mag, aber an die Qualität, Kompaktheit und Lichtstärke einer guten Festbrennweite kommt es nicht heran.

Fest und Kompakt

Mit der Konzentration auf Festbrenweiten in kompakten Kameras, brauchte es also eine Brennweite, die den besten Kompromiss aus Bildwinkel, Größe, Qualität und Lichtstärke darstellt. Als Normalbrennweite kennen wir die 50mm. Die Perspektive bei 50mm Brennweite entspricht der des menschlichen Auges und so nehmen wir Bilder und Motive, die mit 50mm Brennweite fotografiert wurden als besonders natürlich wahr. Schon ab 35mm Brennweite wirken Motive zunehmend schmaler, als sie in Wirklichkeit sind. Das kann hilfreich sein, wenn man z.Bsp ein sehr rundes Gesicht etwas schlanker wirken lassen möchte, aber es wirkt nicht mehr natürlich. Außerdem ist es im Weitwinkelbereich kaum möglich, ein Motiv von seinem Hintergrund zu isolieren. Das geht zwar mit Telebrennweiten sehr gut, aber je länger die Brennweite, desto kleiner der Bildwinkel und das würde ebenso einschränken, wie ein zu großer Bildwinkel.

Der beste Kompromiss

Der Königsweg der Fotoindustrie war daher die Brennweite von 40mm. Weit genug, um genug aufs Bild zu bringen und lang genug, um bei guter Lichtstärke auch ein Portrait angertigen zu können.

In den 1980er Jahren überahmen dann die Zoomobjektive den Markt. Ein dreh am Objektiv und schon braucht man sich über den Motivabstand keine Gedanken mehr zu machen. Wäre es doch ein Leichtes für mehr Details im Motiv einfach näher heranzugehen und umgedreht. Seit dieser Zeit sind besonders die 40mm mehr oder weniger in Vergessenheit geraten.

Voigtländer

Scheinbar arbeiten bei Voigtländer – glücklicherweise – echte Fotoenthusiasten, die wissen, worauf es ankommt. Sogar 2 verschiedene Objektive mit 40mm Brennweite für Leica M hat Voigtländer im Programm: Das Nokton Classic 40mm 1:1.4 und das Nokton 40mm 1:1.2. Das Nokton Classic 1.4 ist meine Linse an der Leica CL. Klein, Scharf, Lichstark und sehr kontrastreich. Aber hier geht es um den großen Bruder: Das 40mm mit einer Offenblende von max. 1:1.2. Das ist viel Licht und viel Glas.

Das Weitwinkel 50er

Setzt man das 40er 1.2 an die Leica M, werden die Rahmenlinien für ein 50mm Objektiv eingeblendet und genau so kann man das Objektiv auch verwenden. Es ist ein 50mm Objektiv mit einem größeren Bildfeld. Das klingt vielleicht paradox, aber genau so lässt es sich am besten beschreiben. Durch seine extreme Offenblende, isoliert das 40er 1.2 ein Motiv besser, als jedes 50er Summicron (f2). Durch den leichten Weitwinkel bekommen Portaits eine sehr natürlich wirkende und gleichzeit schlanke Präsenz. Soweit so gut, aber Voigtländer hat einfach noch einen Turbo eingebaut: Das 40er 1.2 hat eine Naheinstellgrenze von 0,5m anstelle der 0,7m des Leica M Systems. Man kann also 20cm näher ans Motiv und damit den Abbildungsmaßstab im Vergleich zu einem 50mm Objektiv mehr als kompensieren. Mehr noch: Man bekommt eine leichte Tele-Anmutung ins Bild und damit einem unglaublich guten 3D Effekt.

Aber dennoch: Durch die 40mm Brennweite passt für Landschaft und Street mehr aufs Bild und soweit sind 35 und 40mm auch nicht auseinander. Man bekommt mit dem 40mm 1.2 Voigtländer eigentlich 2 Linsen in einem. Es ist für mich persönlich so, als hätte ich ein 35er und 50er gleichzeit an der Kamera.

Leica CL
Leica M240 mit Voigtländer Nokton 40mm 1.1.2 – an der Naheinstellgrenze und komplett offen. Normalerweise sind solche Detailshots nicht die Domäne der M, aber das 40er macht das möglich. Der “Plop” ist deutlich sichtbar.

Optische Qualitäten

Bis hinerhin bin ich noch gar nicht auf die optischen Qualitäten des Voigtländer 40mm Nokton 1:1.2 eingegangen und das ist auch eine klasse für sich. Die japanische Mutter Cosina zeigt mit dem aktuellen Lineup an Voigtländer VM Linsen, dass sie zur Weltspitze gehören. Weit offen ist das 40er in der Mitte schon mehr als scharf genug für meinen Bedarf und sowie man den Blendenring auch nur 1 Klick weiterdreht, um die Linsenränder abzudecken, setzt eine fast brutale Schärfe ein. Die Performance dieses Objektives ist einfach fanstastisch.

Die Verarbeitungsqualität und der butterweiche Fokusring machen auch Freunde, wenn man gerade keine Fotos macht und das Design der Voigtländer VM Optiken ist für meinen Geschmack wirklich herausrangend.

Schärfentiefe

Das Fokussieren bei Offenblende mit dem Meßsucher will natürlich geübt ein. Da darf man sich nichts vormachen, denn die Schärfentiefen bei 1.2 ist sehr gering. Nun greift die Meßsucherkoppelung bei der Leica M ohnehin nur bis 0,7m. Die letzen 20cm bis 0,5m müsste man daher im Blindflug absolvieren, aber genau hier schlägt die Stunde des Visoflex für die digitale Leica M. Für den echten Meßsucherenthusiasten mag der digitale Sucher zwar so etwas wie Blasphemie sein, aber dank meiner Alterssichtigkeit brauche ich mich nicht mehr zu genieren, wenn ich den Visoflex ansetze. Dank des digitalen Suchers, kann ich die 0,5m Naheinstellgrenze hemmungslos ausnutzen und ganz nebenbei den perfekten Fokus setzen.

Stil

Geschmäcker und Stile sind verschieden. Das ist gut und so ist das Thema Farben und Anmutung höchst individuell. Ich bin kein Freund von digitaler Verunstaltung von Bildern, insbesondere wenn es nur der Effekthaschrei gilt. In CaptureOne (oder Lightroom) die Regler in ein paar Extrempositionen ziehen kann nunmal jeder. Das ist weder Kunst, noch für jeden Betrachter schön. Genau das ist aber auch der Punkt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Die aktuellen Voigtländerlinsen haben eine ganz eigene und sehr ausgewogene Farbwiedergabe mit einem Hang zu warmen Tönen. In Kombination mit dem fantasitischen Bildsensor und Software der Leica M (240) entsteht ein Abbild, was ohne jede weitere digitale Optimierung schon sehr ausgewogen, kontrastreich und dennoch warm ist. Es ist ein Bildstil, den ich bevorzuge. Eine Nachbearbeitung mit Klarheit, Kontrast oder anderen Dingen fällt bei mir komplett weg. Ich habe nur einen Farbpreset in CaptureOne definiert, den ich gerne mal anwende und vielleicht hebe ich mal die Schatten etwas an. Das war es aber. All dies gilt natürlich unter der Vorraussetzung, das man weiß, wie mit dem Weißabgleich der eigenen Kamera umzugehen ist. Die Leica M macht das in der Automatik schon wirklich gut, aber als ehemaliger Canon-DSLR-Nutzer habe ich leider auch Anderes erlebt.

M

Die Leica M mit Visoflex und dem 40er 1.2 ist daher eine mehr als perfekte Kombination für den M Fotografen, der mit kleiner Fototasche unterwegs sein möchte. Wo wie bei dem Thema sind: In die Billingham Hadley Digital passt die M mit Visoflex, 40mm 1:1.2 Nokton und noch 2 weitere Linsen, wie das geniale Voigtländer 21mm 1:3.5 und ein 90mm Teleelmarit. Keines Besteck für eine große Fototour.

Fazit

Das Voigtländer Nokton 40mm 1:1.2: Es ist für mich persönlich die eine perfekte Linse. Müsste ich mich für genau 1 Objektiv entscheiden, dann wäre es immer wieder genau das 40er 1.2. Die Lichtstärke fordert etwas Tribut. Die Linse ist relativ groß und schwer, besonders wenn man sie mit dem Notkton Classic 40mm 1:1.4 vergleicht. 1.2 und 1.4 klingt ja nicht viel und in der Praxis kann man die Lichtstärke vernachlässigen, aber das 1.4er ist bei Offenblende eher weich und es erzeugt bei weitem nicht diesen 3D Plopp im Bild.

M 40mm
Schärfentiefespielerei mit 40er Nokton 1.2 an der Leica M 240

Das 40er an der Leica CL

Leica CL - 40mm Nokton 1.2

Das 40mm Nokton 1.2 an der Leica CL. Es wird sehr knapp mit dem Sucher, aber es geht gerade noch so.

Leica CL - 40mm Nokton 1.2

Die Leica CL nochmal mit dem 1.2er Nokton; daneben das 40mm Nokton Classic 1.4. Die CL wird mit dem 1.2er sehr kopflastig.

Leica CL - 40mm Nokton Classic 1.4

Jetzt ist zum Vergleich das Nokton Classic 1.4 an der Leica CL. Das 1.4er ist die perfekte Wahl für die CL, da es perfekt zum Handling der CL beiträgt. Das 1.4er ist offen etwas weich. Das 1.2er ist bei Offenblende schärfer.

6 Comments

  1. Hast du das 40mm 1,2 auch schon mal an der Leica CL ausprobiert? Packt das der Belichtungsmesser noch ? Oder ist das keine empfehlenswerte Kombination?

    • Hallo Sebastian,
      Das 40er 1.2 ragt bei der CL leicht in den Entfernungsmesser, würde sich aber vielleicht benutzen lassen können. Aber das 1.2er ist bald schwerer als die ganze CL. Das Handling ist extrem schlecht und in der Kombination aus meiner Sicht nicht zu empfehlen. Bei der CL ist das 1.4er die perfekte Wahl.

      Gruß, Matz

      • Und wie ist es beim 1.4: denkst du es ist es wert, sich die Linse zu kaufen, wenn man eh schon das summicron-c 40mm f2 hat? Vom summicron selbst kann ich mich nicht trennen, da es ein Erbstück / eine Dauerleihgabe ist. Aber wäre das 1.4 mit dem +1 EV es wert oder verpufft das eh alles, wenn man auf Film fotografiert? Ich habe nämlich keine digitale M sondern eben nur die CL. Gefühlt und nach diesem Review …

        https://gear.vogelius.se/-editorials/40-vs-40/index.html

        … würde ich bei dem summicron bleiben, weil ich eben nur eine analoge M habe und keine Filter verwende… klar der eine stop bei der Lichtempfindlichkeit wäre schon schön

  2. Hallo Matz,
    schönes Review zur Linse. Sind nicht beide Voigtländer Linsen VM 40 mm offenblendig sehr weich? Das f1.2 Voigtländer wäre wahrscheinlich an der CL auch schwierig einzusetzen, da es eine Naheinstellgrenze von 50mm hat, gegenüber 70cm des f1.2.
    Meine Wahl wenns klein und kompakt sein soll: 21mm f3.5, 40mm f1.4, 75mm 2.5.

    • Hallo Henning,

      ich habe den Beitrag um die Leica CL ergänzt. Das 40er 1.2 geht gerade so mit der Leica CL. Die Linse ist aber einfach zu schwer für die CL. Die Kopflastigkeit müsste man schon mögen. Das 1.4er Nokton Classic ist deutlich besser für die CL, auch wenn es offen etwas weich ist. Die Schärfe ist beim 1.2er besser. Meine Fotos hier sind verkleinert und komprimiert und zeigen daher nicht das Potential der Linse.

      Gruss, Matz

  3. Hallo Herr Binder,
    Ich nutze das VM 1,4/40mm an meiner Miolta CLE, die spiegelt dann auch den 40mm-Rahmen ein.
    Da mir das 35er zu weitwinklig war und das 50mm zu “eng”, ist das 40mm für mich die ideale Brennweite für die meisten meiner Motive, selten nehme ich das 28mm und 90mm dazu, da diese Rahmen bei der CLE ja auch eingespiegelt werden.
    Die original Voigtländer-Sonnenblende für das VM40mm verdeckt allerdings das Messfenster des Entfernungsmessers, weshalb ich mir eine andere Metallsonnenblende mit mehreren Stegen gekauft habe. Jetzt ist das Messfenster frei und ich kann bei alle Abständen bis Unendlich scharfstellen.
    Mit der optischen Leistung des 1,4/40mm bin ich sehr zufrieden, auch für Dias in der Projektion. Es stimmt allerdings, dass der Schärfeeindruck bei 1,4 sehr weich wird, speziell an den Rändern und in den Ecken.
    Ich habe das 1,2 auch angesehen, aber es ist zu schwer un zu kopflastig wie Sie richtig schreiben, und wenn man wie ich Rückenprobleme hat die nicht besser werden, achtet man doch immer mehr aufs Gewicht. Ich bin früher auch mit kiloschwerem Fotorucksack gereist, aber davon bin lange zurück.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Jean-Claude Hardt.

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