Zorki 4 Jupiter 8

Wenn man nach einer günstigen Alternative zu einer analogen Leica sucht, stößt man schnell auf die sowjetischen Meßsucher und ihre Objektive. Sie werden meistens als Leica Kopien weit unter ihrem Gebrauchswert gehandelt, obwohl sie nicht unbedingt schlechte Kameras sind. Die Zorki 4 und die 4K sind so typische Vertreter dieser Gattung. Tuchverschluss nach Leica Vorbild, LTM Objektive und Messsucher. Fertig ist die Leica Alternative? Sehen wir mal…

Einleitung

Leica Thread Mount (LTM) Objektive findet man in großer Zahl auf dem Gebrauchtmarkt und dabei gibt es durchaus fantastisches Glas. Das Canon LTM 50/1.4 ist so ein Beispiel. Die Zorki 4 wird meistens in Kombination mit dem Jupiter 8 angeboten und dieses Objektiv ist schon speziell. Dazu aber später mehr.

Die Zorki 4 folgt dem Konstruktionsprinzip der Leica III und in Details diverser Contax Modelle. Hier und da geht die Zorki aber einen eigenen Weg. Nicht zuletzt wurde die 4K bis 1976 gebaut und da war die Entwicklung und Produktion des “Originals” sehr lange schon vorbei.

Zorki 4
Zorki 4 – Kameraboden im Contax-Stil.

Durch ihre abgerundete Form, lässt sich die Zorki 4 genauso gut in der Hand halten, wie die Leica, aber die Bedienung muss man schon mögen. Gleiches gilt aber für die Leica II und III Serie ebenfalls. Besonders der Filmtransport per Handrad hinterlässt gerne mal Spuren auf zarter Haut. Auch das Verstellen der Verschlusszeit ist ziemlich rustikal ausgeführt. Man darf die Zeit nur dann verstellen, wenn der Verschluss gespannt ist. Anderenfalls läuft man Gefahr, die Mechanik zu beschädigen.

Die Zorki heute

Auch wenn das Angebot groß ist: Die allermeisten Zorki sind heutzutage eigentlich nur noch Vitrinenstücke (um es positiv zu formulieren). Es gibt vieles, was in der Kamera verschleißt und durch die sehr mangelhafte mechanische Präzision, existieren kaum noch Zorkis, die korrekt funktionieren. In wieweit man aber das korrekte Funktionieren für ein gutes Foto braucht, sei dahingestellt. Solange der Verschluss halbwegs richtig abläuft, kann man sich durchaus mit der Zorki 4 arrangieren.

Problemchen und Kniffe

Bei allem Folgenden, gehen wir davon aus, dass unsere Zorki nie repariert und gewartet wurde, aber noch zu funktionieren scheint. Nummer 1 auf der Hitliste, ist das Aufziehen der Kamera. Man muss wirklich gut aufpassen, dass der Transport bis zum letzten Ende gedreht wurde. Bis es absolut nicht mehr weitergeht. Macht man das nicht, läuft der Verschluss ziemlich wahrscheinlich mit 1/1000 ab, egal, was man vorher eingestellt hatte. Das liegt zu einen an der Konstruktion, zum anderen am Verschleiß. Fast alle Zorkis haben Spiel im Transport, der in den Jahrzehnten immer größer geworden ist. Normalerweise bleibt der Transportknopf am Ende fest stehen, lässt er sich etwas oder etwas mehr hin und her bewegen, dann sollte man dem Transport und Aufzug nicht mehr blind vertrauen.

Zorki 4
Verschlusszeiten – Verteilt.

Nummer 2: Der Verschluss hakt. Ein Folgeproblem aus Nummer 1. Es ist ratsam, den Transportknauf nach dem Aufziehen etwas hin und her zu ruckeln. Der Verschluss läuft dann magischerweise einfach los.

Bis hierhin reicht also etwas Enthusiasmus aus, um die Kamera zu bedienen. Jetzt könnte man aber meinen: Warum nicht einfach ein CLA? Weil das diese Probleme nicht beseitigen kann. Eine Zorki in einen neuwertigen Zustand zu versetzen, ist mit einem CLA nicht möglich.

Jupiter 8 – Russisches Roulette

Als ich vor vielen Jahren mein erstes Jupiter 8 bekommen habe, konnte ich die Begeisterung einiger weniger Glückspilze nicht teilen. Es war nirgendwo wirklich scharf. Im laufe der Zeit hatte ich nun schon unzählige Jupiter 8 in der Werkstatt und durfte feststellen, dass die Bandbreite von absolut schlecht bis herausragend gut reicht. Es ist also wie russisches Roulette, ein gutes Jupiter 8 zu erwischen. Tendenziell ist die schwarze Serie des Jupiter nicht so gut, wie die silberne. Die Justage der Linsenposition wird beim Jupiter 8 mit Klebstoff und Shims eingestellt. Die Mehrzahl der schlechten Jupiter ist einfach nur falsch justiert.

Jupiter 8
Jupiter 8 – Mit Glück eine exzellente Linse.

Das Spiel mit dem Jupiter

Kaufen, testen, verkaufen. Das ist das Spiel, was man treiben sollte, bis man ein gutes Jupiter erwischt hat. Ich habe insgesamt 7x gekauft und verkauft, bis ich das Glück hatte, dieses Jupiter 8 zu bekommen. Die Schärfe und der Kontrast sind höchst beeindruckend. Das ist eine Linse, die man nicht mehr hergibt. Die Linsen und die Justage sind absolut makellos.

Die fotografischen Möglichkeiten

Hat man ein gutes Jupiter 8 in Verbindung mit einer funktionierenden Zorki 4 oder 4K, lassen sich erstklassige Bildergebnisse erzeugen. Wer sich aber die Finger nicht zerschinden lassen will, sollte die Zorki 4K nehmen. Der Schnellspannhebel ist erheblich besser zu bedienen, als das Handrad der Zorki 4. Optisch hingegen, finde ich persönlich die Zorki 4 netter anzusehen, als die 4K… Geschmackssache.

Der Meßsucher

Die Zorki 4 ist gewissermaßen eine Einstiegsdroge in die Messsucher Fotografie. Da stellt sich natürlich die Frage nach dem Meßsuchererlebnis. Hier wird es schwierig, da die meisten Zorkis heute in einem eher beklagenswerten Zustand sind, was sich natürlich auch und besonders auf den Meßsucher auswirkt. Ist der Sucher noch neuwertig, ist er hervorragend zu erkennen. Durch seine extreme und einstellbare Dioptrienkorrektur, wirkt er bei weitsichtigen Menschen vergrößernd, was sehr unangenehm werden kann, wenn man beide Augen öffnet. In Summe aber, ist er sehr gut zu gebrauchen.

Fazit und Empfehlung

Durch den günstigen Preis, kann man die Zorki nur empfehlen. Man sollte sich aber den funktionellen Zustand vor dem Kauf zusichern lassen. Auf der anderen Seite: Die Zorki ist sehr gut zu warten, wenn nichts wirklich defekt ist und die Zorki nur einen großen CLA braucht, lohnt sich der Service in jedem Fall.

Zorki 4
Zorki 4 mit Jupiter 8 – frisch gewartet.

Die Fakten

  • Tuchschlitzverschluss, horizontal ablaufend
  • 1/1 bis 1/1000 und B
  • Vorlaufwerk ca. 10 Sekunden
  • manuelle Blitzsynchronisation über Drehring unter der Verschlusszeit
  • PC Synchronbuchse
  • Mischbildentfernungsmesser ca. 1,0x mit einstellbarer Dioptrienkorrektur
  • kein Leuchtrahmen!
  • Sucherausschnitt für 50mm Objektive
  • Naheinstellgrenze 1,0m
  • Leica M39 Gewinde LTM
  • Bildzählwerk manuell
  • Zubehörschuh (Coldshoe)

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